27
Feb
2017

Der Anet A8 – 3D-DIY-Drucker im Test

Zuerst möchte ich mich bei GearBest dafür bedanken, dass Sie uns für den Anet A8 für diesen Test zur Verfügung gestellt haben. Weiter möchte ich mich bei unseren Usern ThorstenW und Benny bedanken für ihre Tipps zur Einrichtung und Kalibrierung des Druckers.

Über den Anet A8 3D-Drucker haben wir schon öfter berichtet. Es ist also höchste Zeit für einen Test. Zu erwerben ist der Drucker bei GearBest für 168,09€ inkl. Versand, wobei er auch immer wieder in kleiner Stückzahl im FlashSale verfügbar ist. Bei einer Bestellung solltet ihr unbedingt die Versandart Priority Line – Germany Express wählen, damit der Artikel über die UK verschickt wird, wo GearBest alle anfallenden Steuern entrichtet.

Einleitung

Wir hatten in den letzten Wochen die Möglichkeit den 3D-Drucker Anet A8 ausgiebig zu testen und möchten nun unsere Erfahrungen mit euch teilen. Dieser wird in Einzelteilen ausgeliefert und muss vor Nutzung zunächst von euch zusammengebaut werden. GearBest und viele andere Händler bezeichnen ihn auch als Anet A8 Prusa i3, was darauf zurückzuführen ist, dass der Drucker ein Klon des beliebten Prusa i3 ist.

Um den Anet A8 zu betreiben, benötigt man außer dem Bausatz auch noch Filament und ein Kreppband für die Druckfläche – idealerweise Scotch Blue Tape. Das solltet ihr unbedingt einplanen und am besten gleich mitbestellen.

Zusammenbau des Druckers

Beim Öffnen des Pakets erwartet euch eine Vielzahl an Einzelteilen. Diese sind in drei Styroporverpackungen unterteilt. Der Rahmen des 3D-Druckers ist aus Acryl gefertigt, wobei die Acrylteile bei Lieferung mit einer Schutzfolie überzogen sind. Diese abzumachen, ist einfach möglich, dauert aber aufgrund der Anzahl der Teile auch recht lange.

Ihr benötigt keine weiteren Werkzeuge für den Bau des Druckers, da diese dem Set beiliegen. Der Aufbau des Druckers dauert je nach handwerklichem Geschick ein paar Stunden. Ich habe im Zusammenbau ganze 13 Stunden benötigt (inkl. Entfernen der Schutzfolie der Acrylteile).

Für den Aufbau des Druckers solltet ihr für ausreichend Platz sorgen, da der Drucker mit etwa 50 x 45 cm eine hohe Grundfläche hat und die Einzelteile viel Platz benötigen. Auf der microSD-Karte des Sets findet man mehrere Bauanleitungen in dem Unterordner „Installation Instruction“.

Diese sind virenfrei und können problemlos benutzt werden. Die Installation Instruction PDF liefert euch eine übersichtliche Bauanleitung; am besten funktioniert der Aufbau jedoch, wenn man sich an einem der unten verlinkten Tutorials orientiert. GearBest verlinkt auf der Produktseite eine ältere Videoreihe von David Dan, wobei ihr über den Youtube-Channel von Anet 3D den Zusammenbau der aktuellsten Version des Druckers findet:

Ich empfand es als hilfreich einzelne Teile der Videos sowohl für den Zusammenbau der älteren und der neuen Version des Druckers anzuschauen. An mancher Stelle war die Erklärung in den älteren Videos besser als in den neueren Videos und umgekehrt. Die PDF-Anleitung war in jedem Fall nicht ausreichend, da sie zu viele Schritte in wenigen Bildern abarbeitet.

In dem Youtube-Channel von David Dan findet ihr übrigens noch Videos über mögliche Upgrades des Anet A8 – wie z. B. das Einbauen eines Auto Leveling Sensors für ein automatisches Einstellen des Heizbettes.

Der Anet A8   3D DIY Drucker im Test

Achtung: Beim Anschließen der Elektronik und Verkabelung der Komponenten müsst ihr unbedingt darauf achten, dass ihr keine Kabel vertauscht. Es kann sonst zum Kurzschluss kommen. In den Videos wird genau darauf hingewiesen, wie ihr euren Drucker verkabeln müsst. Die Verkabelung in der .pdf ist nicht mehr aktuell!

Sobald ihr mit dem Aufbau fertig seid und sofern ihr keine Fehler gemacht habt, sollte er nun angehen, sobald ihr den Netzstecker in eure Steckdose steckt.

Der Anet A8   3D DIY Drucker im Test

Die Kalibrierung und die ersten Drucke

Als nächstes müsst ihr dann den Drucker kalibrieren und das Heizbett einstellen. Dazu folgt ihr am besten der Anleitung von dem dritten Video. Solltet ihr euch bereits Scotch Blue Tape gekauft haben, empfiehlt es sich, dieses vor der Kalibrierung auf dem Heizbett anzubringen.

Um das Heizbett richtig einzustellen, müsst ihr den Drucker zunächst über das Menü (Quick Settings -> Home All) auf die Startposition versetzen und dann über das Menü (Quick Settings -> Disable Stepper) die Fixierung des Druckkopfes abschalten. Im nächsten Schritt müsst ihr den Abstand zwischen dem Druckkopf und den Ecken des Heizbettes über die Einstellschrauben so einstellen, das ein DIN A4-Papier gerade noch zwischen Druckkopf und Heizbett passt.

Die Einstellung müsst ihr vermutlich wiederholen, wenn das Druckbett erst einmal aufgeheizt ist (Vorsicht, das Druckbett heizt je nach Einstellung auf bis zu ~ 100 °C auf und der Druckkopf wird sogar noch heißer. Verletzungsgefahr!).

Nach einigen Druckversuchen werdet ihr nur noch wenige Minuten brauchen, um das Druckbett richtig zu kalibrieren. Zu Beginn eurer Arbeiten am Anet A8 werdet ihr hier öfters verzweifeln, besonders weil die ersten Drücke nicht gut aussehen werden.

Meinen ersten 3D Druck habe ich durchgeführt, bevor ich mithilfe der Textobjekte eine Kalibrierung durchgeführt habe. Am Schluss erhielt ich ein verunglücktes Modell, das nur noch in den Mülleimer geschickt werden konnte. 😉

Um die Kalibrierung zu testen gibt es mehrere Modelle in der Community Thingiverse. Bevor ihr aufwendige Drucke durchführt, solltet ihr euch mit dem Drucker vertraut machen und die Testmodelle wenigstens einmal einwandfrei gedruckt haben:

Anhang der Testmodelle kann man schnell erkennen, ob ein Fehler vorliegt. Das ist der Fall, wenn die Kanten unscharf sind, die Maße nicht stimmen (sehr gut am Cube messbar) oder viele einzelne Fäden erkennbar sind. In dem Fall müsst ihr prüfen, ob eine oder mehrere Ecken des Druckbettes falsch eingestellt sind oder eure Einstellung in dem Slicing Programm Cura nicht stimmen.

Vorbereitung der Modelle zum Drucken

Apropos Cura: Cura ist ein Slicing Programm, mit dem ihr eure Modelle für den Druck am Anet A8 vorbereiten könnt. Auf der mitgelieferten SD-Karte befindet sich eine veraltete Version des Programmes, welche ihr nicht nutzen solltet. Benutzt für eure Drucke die aktuelle Version von ultimaker.com.

Der Anet A8   3D DIY Drucker im Test

Hiermit könnt ihr die .stl-Dateien von Thingiverse öffnen und eure Einstellungen für den Druck vornehmen. Die vorbereitete Datei im Format .gcode könnt ihr dann auf den Drucker übertragen und dort den Druck starten. Habt ihr hierzu konkrete Fragen, stellt diese am besten in unserem Forum, wo wir diese gerne ausführlich besprechen können.

Einstellungen für den Modelldruck

Wenn ihr mithilfe von Cura ein Modell für den Druck vorbereitet, solltet ihr euch überlegen, welche Einstellungen für euer Modell geeignet sind. Wie ihr bereits nach kurzer Zeit feststellt, gibt es zahlreiche Einstellungen, die man in Cura tätigen kann. Einige der Einstellungen sind dabei versteckt, können aber durch einen Mausklick angezeigt werden. Bei den Vorbereitungen solltet ihr euch also darüber Gedanken machen und immer beurteilen,

  • ob die Grundfläche des Modells groß oder klein ist: Hat euer Modell eine kleine Grundfläche, druckt es mit einer Druckplattenhaftung aus, damit es auf dem Druckbett stabil steht.
  • ob das Modell große Überhänge hat: In dem Fall solltet ihr Stückstrukturen drucken. Ist euer Modell jedoch klein, verzichtet lieber darauf.
  • ob eine hohe Druckqualität notwendig ist: Mit einer niedrigen Auflösung könnt ihr den Filamentverbrauch und die Druckzeit deutlich reduzieren. Detailreiche Modelle sollte man mit einer hohen Auflösung drucken.
  • welcher Füllungsgrad für euer Objekt notwendig ist: Die Druckzeit und der Filamentverbrauch hängt wesentlich mit der Füllung des Objektes zusammen. Eine 100 %-ige Füllung macht in vielen Fällen, gerade bei Modellen, keinen Sinn. Hier reicht oft eine Füllung von 20 % bis 30 %. Ein hoher Füllungsgrad liefert euch massivere, aber auch stabilere Objekte; viele Objekte benötigen aber keine besonders dichte Füllung.

Der Anet A8   3D DIY Drucker im Test

Wahl des Filaments

Von der Wahl des Filaments hängen auch die Einstellungen des Druckers ab. Je nachdem, welches Filament ihr verwendet, unterscheiden sich die einzustellenden Temperaturen vom Extruder (also dem Druckkopf) und dem Heizbett. Um diese für euer gewähltes Filament herausfinden zu können, könnt ihr euch beispielsweise auf filamentworld.de informieren. Letztlich endet es aber immer bei Try and Error, da sich jedes Filament unterscheidet.

Gute Erfahrungen habe ich mit dem PLA-Filament von Janbex gemacht, welches ihr auf Amazon erstehen könnt (ab 22,99€/kg). Hier arbeite ich mit einer Extrudertemperatur von 215 °C und Betttemperatur von 80 °C. Fairnesshalber möchte ich erwähnen, dass ich mit einem anderen Filament (außer dem mitgelieferten) keine Erfahrungen gemacht habe.

In jedem Fall müsst ihr beachten, dass das von euch gewählte Filament einen Durchmesser von 1,75 mm hat. Als Material kommen neben PLA auch PETG und ABS infrage, wobei ABS mit höheren Heizbetttemperaturen arbeitet und darüber hinaus reizende Dämpfe beim Erhitzen freisetzt.

Je nachdem für welches Filament ihr euch entscheidet, hat euer gedrucktes Modell andere Eigenschaften. So hält ABS höheren Temperaturen stand und ist belastbarer als PLA, dafür ist PLA lebensmittelecht und kann bedenkenlos für den Kontakt mit Lebensmitteln oder Getränken eingesetzt werden.

Nützliche Links

In diesem Abschnitt findet ihr einige nützliche Links, die mir bei dem Benutzen des Druckers sehr geholfen haben, sowie ein paar Kaufempfehlungen für Besitzer des Druckers. Außerdem findet ihr hier noch einmal die Links des Artikels:

Zubehör und Ersatzteile

Videotutorial zum Zusammenbau und zur Kalibrierung

Cura und Kalibrierung

Weitere Links

  • Thingiverse: Große Modell-Datenbank mit zahlreichen Modellen für den Anet A8
  • Mein-Deal – Forenthread zum Drucker: In unserem Forum habt ihr die Möglichkeit eure Fragen und Meinungen zum Drucker loszuwerden. Außerdem findet ihr hier ein sehr hilfreiches Tutorial von ThorstenW. Danke noch einmal. 🙂

Details

  • Unterstützt verschiedene Filamente: ABS / PLA / Wood / Nylon PVA / PP / Luminescent
  • Druckvolumen: 220 x 220 x 240mm
  • Druckauflösung von 0,1 mm bis 0,3 mm Schichtdicke
  • Cura läuft auf: Windows XP / Windows 7 / Windows 8 / Mac / Linux

Erfahrungen und Fazit

Nachdem ich den Anet A8 nun knapp 4 Wochen getestet habe, kann ich auch einige Erfahrungen berichten:

Zuerst fällt auf, dass man sehr viel Zeit bei der Absicht diesen Drucker zu nutzen aufbringen muss. Vom zeitintensiven Aufbau abgesehen benötigt die Einarbeitung in Cura einige Zeit und die Kalibrierung der Druckplatte nimmt immer wieder Zeit in Anspruch. Weiter dauern die Drucke gerne einige Stunden, was stark mit der Detailverliebtheit und der Größe der Modelle variiert.

Beim Drucken neigt der Anet A8 teilweise zur Entwicklung einer recht hohen Geräuschkulisse, weswegen sich die Unterbringung in einem gut isolierten Raum anbietet. Bei meinem Testgerät ließ sich darüber hinaus der Lüfter nicht bündig am Druckkopf anbringen und war daher stets sehr laut. Ich konnte diesen durch einen günstigen Lüfter ersetzen und damit die Lautstärke des Druckers deutlich reduzieren.

Es erwies sich zu Beginn meiner Arbeiten als schwierig, die richtigen Einstellungen für Cura zu finden und den Drucker ordentlich zu kalibrieren. Das resultierte in mehreren verunglückten Spider-Man-Skulpturen. Auch hierfür muss man Zeit und Geduld einplanen.

Der Anet A8   3D DIY Drucker im Test

Nachdem ich mich nun in den Drucker hinreichend eingearbeitet hatte, konnte ich zunächst ein paar kleine Modelle drucken und tastete mich immer weiter an größere Modelle heran. Meine neueste Schöpfung (eine Batman-Büste) stellte mich vom Ergebnis her sehr zufrieden, wobei ich mir noch ein passendes dunkles Filament für einen erneuten Druck zulegen möchte.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Anet A8. Wer sich selbst überlegt, einen DIY-Drucker zuzulegen, sollte sich immer bewusst machen, dass man Geduld und Zeit für seine 3D-Drucker mitbringen muss. Wenn man das tut, kann man hier für ~168€ einen coolen 3D-Drucker erhalten und viele verschiedene Modelle drucken.

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14 Kommentare zu "Der Anet A8 – 3D-DIY-Drucker im Test"

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CGO
Gast

Anet A8 ist jetzt zu einem Aktionspreis erhältlich, hier raus:
http://www.gearbest.com/3d-printers-3d-printer-kits/pp_337314.html?lkid=10372884

Johnny
Gast

Bester Deal für den Anet A8 3D Drucker, können Sie es jetzt zu einem Promotion-Preis, weitere Informationen hier: http://www.gearbest.com/3d-printers-3d-printer-kits/pp_337314.html?lkid=10372884

massapix
Gast

Toller Artikel, hat mich motiviert den A8 zu kaufen.
Nach erfolgreichem Zusammenbau wollte ich nun drucken.
Aber ich habe einige Probleme.
Ich wollte von der SD Karte das Testfile drucken.
Allerdings hat sich nach 20 min Wartezeit immer noch nichts getan.
Ist das normal?
Wie lange dauert es bis der Druck beginnt?

PS: Extruder habe ich manuell aus 190 Grad gesetzt, Hot bed war nicht aktiviert (hier hat sich der Aneta A8 immer von selbst deaktiviert, warum??)
Grüße massapix

Mister-XL
Gast

Warum muss man sich immer mit der Technik auseinander setzen? Es gibt Leute die wollen einfach nur 3D Drucken. Die billigen China Teile produzieren einfach nur Müll.

Florian
Admin

Finde ich jetzt nicht unbedingt, für knappe 150€ liefert er schon gute Resultate.

...
Gast

Schade. Ich habe die Überschrift gelesen und einen echten Test erwartet. Das hier ist leider viel mehr ein „hands on“ eines Newbies. Das ist sicher auch nicht schlecht und wird dem ein oder anderen Dealzer klar machen, dass der Drucker eben eine verdammte Menge Arbeit erfordert. Aber ich würde mich mal über einen Vergleich der Qualität des A8 mit anderen Modellen freuen. Test zu Druckbild und Genauigkeit etc

CK
Admin

Du hast natürlich recht, aber der Artikel sollte auch nicht für Experten sein, sondern für Einsteiger. Aber du kannst gerne im Forum mit helfen zu dem Thema. Beiträge sind immer erwünscht. In der Zukunft werden wir das 3D Thema auch noch ausbauen, da die Nachfrage groß ist.

Kandelino
Gast

Ich besitze den Anet A8 seit gut 6 Monaten und habe in den Facebook Gruppen sehr viel Wissen darüber aneignen können. Die ganzen übertriebenen Modifikationen kann man sich getrost sparen.

Wichtig sind:

GT2 Glasfaserriemen und Umlenkrollen mit Zähnen (ca. 10-15€)
Eine Glasplatte (2-10€)
Ein paar Rahmenversteifungen und Riemenspanner von Thingiverse (selbst drucken)
Einen leiseren Lüfter für den Extruder wen es stört (5-10€)

Alles andere wie Igus Lager, Präzisionswellen, Auto bed leveling, stärkeres Netzteil, Bowden Extruder, etc. Ist meiner Meinung nach herausgeschmissenes Geld.

yenlo
Gast

Interessant zu lesen; insbesondere dass man sich vom günstigen Einführungspreis nicht täuschen lassen sollte und die nächsten Wochen mit dem Optimieren verbringt und Folgekosten hat. Ein Weistek Wt 150 für 249 Eur oder ein Flashforge für 370 Eur sind im ersten Moment zwar teurer und drucken nur PLA. das allerdings ohne Geschraube in nahezu perfekter Qualität. Auf der anderen seite macht das selbstbauen als Lernschrott err… Lernschritt auch Spass

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