Täglich werden deutschlandweit unzählige Pakete verschickt, wobei man mittlerweile auf diverse Paketdienste greifen kann. Einst wurden Pakete lediglich von der Deutschen Post zugestellt, das hatte den Vorteil, dass der Konsument keine offenen Fragen hatte, denn das Paket wurde bei der Post aufgegeben. Man zahlte das dafür fällige Porto und alles war geklärt. Heutzutage, wo sich verschiedene Paketdienste quasi die Klinke in die Hand geben, sieht das ganz anders aus. Denn nicht nur die Konditionen der einzelnen Anbieter unterscheiden sich, sondern auch deren Lieferzeiten und Bedingungen. Doch an welche Gesetze sind alle Paketdienste gebunden? Welche Rechte und Pflichten haben Dienstleister und Empfänger? Viele Fragen werden im Folgenden beantwortet, sodass diesbezüglich Klarheit herrscht.

Wer darf ein Paket annehmen?

Rechte & Pflichten beim Paketversand / Paketempfang

Welche Pflichten hat der Nachbar, wenn er ein Paket annimmt?

Was im ersten Moment lediglich eine nette Geste der Hilfsbereitschaft ist hat rechtliche Folgen, denn wenn man als Nachbar ein Paket annimmt, hat man für den Empfang unterzeichnet und somit auch bestätigt, dass die gelieferte Ware keine Beschädigungen aufweist. Werden dann Schäden durch den eigentlichen Empfänger festgestellt, hat der Nachbar dafür zu haften. Allerdings ist auch jener, der das Paket annimmt, jener, welcher den Inhalt bezahlen muss, wenn der eigentliche Empfänger den Erhalt bestreitet. Da der Nachbar für den Erhalt unterschrieben hat. Daher gilt sich den Erhalt des Pakets durch den Nachbarn bestätigen zu lassen, wenn man wirklich kein Risiko durch die Annahme des Pakets eingehen möchte. Im Zweifelsfall lehnt man einfach die Annahme des Pakets ab, denn man ist als Nachbar nicht dazu verpflichtet das Paket anzunehmen. Wenn ein Nachbar ein Paket annimmt, hat er dieses schnellstmöglich an den eigentlichen Empfänger herauszugeben. In der Regel wird der eigentliche Empfänger ohnehin vom Zusteller darüber informiert bei welchem Nachbarn die Lieferung abgeben wurde.

Wer haftet bei Beschädigung oder Verlust?

Je nachdem mit welchem Dienstleister ein Paket verschickt wird ist die Höhe der Versicherungssumme. Diese liegt in der Regel zwischen 500€ bis 750€ und kann bei Bedarf oftmals durch eine Transportversicherung erhöht werden. Dies ist allerdings eine Option, die nicht von jedem Paketdienst angeboten wird. Bei dieser Zusatzversicherung werden zwar höhere Versicherungssummen möglich gemacht, dennoch gilt es genau abzuwägen ob diese Zusatzversicherung tatsächlich sinnvoll ist. Denn bestimmte Güter werden durch sie nicht versichert. Die sogenannten Verbotsgüter, zu denen Schmuck, Geld oder auch Wertpapiere zählen, werden nicht mitversichert. Für größere Güter, welche von einer Spedition geliefert werden müssen, wie zum Beispiel Möbel, können sich diese Zusatzversicherungen allerdings deutlich lohnen.

Wer muss den Schaden melden?

Rechte & Pflichten beim Paketversand / PaketempfangVerbraucher, die ein Paket erhalten in dem der Inhalt beschädigt ist müssen dies unverzüglich dem Versender des Pakets melden. Denn der Versender ist jener, der den Paketdienst beauftragt hat und somit auch der Versicherungsnehmer. Somit muss dieser binnen sieben Tagen eine Schadensmeldung bei der jeweiligen Versicherung abgeben. Um eine Schadensmeldung abzugeben werden vom Absender ein Einlieferungsbeleg und ein Wertnachweis benötigt. In der Regel ist hierfür die Quittung ausreichend.

Die Verpackung ist beschädigt, was tun?

Obwohl man als Verbraucher davon ausgehen mag, dass mit der bestellten Ware sorgsam umgegangen wird, ist dies leider oftmals nicht der Fall. Pakete werden geworfen oder nicht besonders behutsam behandelt, obwohl diese von außen mit dem Hinweis „zerbrechlich“ markiert sind. Doch was macht man, wenn man ein Paket erhält, welches bereits von außen eine Beschädigung an der Verpackung aufweist? Dann ist es ratsam den Inhalt sofort auf Beschädigungen zu überprüfen. Dies sollte in Anwesenheit des Zustellers geschehen. Dadurch fällt es leichter, eine Beschädigung zu melden und ersetzt zu bekommen. Denn, wenn man den Zusteller als Zeugen angeben kann, ist ausgeschlossen, dass die Beschädigung erst zu einem späteren Zeitpunkt, nach Erhalt verursacht wurde.

Gut zu wissen: Jener, der ein Paket versendet ist dazu verpflichtet, den Inhalt sorgfältig zu verpacken und dadurch seinen Teil dazu beizutragen, dafür zu sorgen, dass der Inhalt des Pakets nicht beschädigt beim Empfänger eintrifft. Denn, wenn er nicht dafür Sorge trägt, ist er selber haftbar zu machen.

Das Paket ging verloren: Wer haftet?

Wenn ein Paket verloren geht, heißt es zunächst geduldig sein. Denn jedes Paket wird mit einer Paketnummer gekennzeichnet, welche sich auf dem Einlieferungsschein befindet. Da man heutzutage jedes Paket bereits im Internet genau verfolgen kann, ist es relativ einfach nachzuvollziehen, wo es sich gerade befindet. Wenn man mit dieser Sendungsverfolgung nicht erkennen kann, wo das Paket ist muss man den Absender darüber informieren. Dieser stellt dann einen Nachforschungsantrag. Ein Nachforschungsantrag ist gratis. Wenn das Paket dann nicht innerhalb von 20 Tagen gefunden wird gilt es offiziell als verloren. Dann tritt die Versicherung ein den Verlust zu ersetzen. Je nachdem durch welchen Dienstleister das Paket verschickt wurde, haftet diese für den Inhalt im Wert von maximal 500€, es sei denn man hat eine Zusatzversicherung abgeschlossen. Der Verlust ist ebenso wie die Beschädigung durch den Absender zu melden.

Verzögerte Lieferung: Wer haftet?

Rechte & Pflichten beim Paketversand / PaketempfangVerbraucher, welche eine Ware bestellt haben, haben grundsätzlich kein Recht auf Zustellung innerhalb einer bestimmten Frist. Jene haben lediglich die Möglichkeit dem Absender eine Frist zu setzen, wenn die Lieferung nicht binnen sieben Tage erfolgte. Anders ist es bei Konsumenten, welche die sogenannte Expresslieferung beansprucht und somit höhere Kosten auf sich genommen haben. Denn bei der Expresslieferung muss die Lieferung garantiert innerhalb einer vorgegebenen Frist erfolgen.

Darf das Paket vom Zusteller vor der Tür abgestellt werden?

Grundsätzlich dürfen Pakete nicht vor der Tür abgestellt werden, da der Empfänger beziehungsweise dessen Bevollmächtigter oder auch der Nachbar den Erhalt durch ihre Unterschrift bestätigen müssen. Dies ist erforderlich, weil nur dann sichergestellt ist, dass das Paket tatsächlich unbeschädigt ankam. Ein Abstellen vor der Haustür hätte somit negative Konsequenzen auf den Versicherungsschutz. Bei kleinen Päckchen, welche Platz im Briefkasten haben gilt allerdings eine Ausnahme. Diese dürfen durch den Zusteller in den Briefkasten gesteckt werden.

Welche Pflichten hat der Zusteller bei Abnahme durch den Nachbarn?

Zunächst hat der Zusteller sich unbedingt zu vergewissern, dass der richtige Empfänger nicht Zuhause ist. Erst nachdem er dies festgestellt hat, kann er bei einem Nachbarn fragen, ob dieser das Paket annehmen würde. Der Nachbar ist nicht zur Annahme verpflichtet Wenn er das Paket annimmt muss der Zusteller eine Nachricht an den eigentlichen Empfänger hinterlassen. Hierfür stehen ihm Benachrichtigungskarten zur Verfügung. Auf diese Karten muss der Zusteller den Namen des Nachbarn und dessen Anschrift ebenso vermerken wie das Datum des Zustelltages. Allerdings darf der Zusteller das Paket nur dann an einen Nachbarn übergeben, wenn das Paket nicht ausschließlich an den Empfänger übergeben werden muss. Der Zusteller muss je nach Dienstleister ein bis drei Zustellversuche unternehmen. Erst wenn diese scheiterten darf das Paket an den Absender zurückgeschickt werden.

Nicht Zuhause, welche Alternativen können genutzt werden?

Neben der Möglichkeit das Paket beim Nachbarn abgeben zu lassen, hat man als Empfänger eines Pakets noch weitere Optionen, wohin das Paket zugestellt werden kann. Eine häufig genutzte Möglichkeit ist die Abgabe des Paketes direkt an einen Paketshop oder eine Packstation. Dort kann man die Sendung dann selber oder durch einen Bevollmächtigten abholen lassen. Allerdings benötigt der Bevollmächtigte zur Abholung eine schriftliche Vollmacht und den Personalausweis des eigentlichen Empfängers. Die Vollmacht wird in der Regel direkt auf dem Abholschein/ Karte vermerkt, sodass dies ohne Probleme möglich ist. Obwohl der Zusteller ein Paket nicht im Treppenhaus ablegen darf, besteht die Möglichkeit einen sogenannten Garagen- oder Ablagevertrag mit dem Zusteller zu treffen. In diesem Vertrag wird geregelt, an welchen Ort der Zusteller das Paket ablegen darf ohne dass es einer Empfangsbestätigung des Empfängers bedarf. Häufig benutzte Orte für die Ablage dieser Pakete sind die Garage oder auch das Gartenhaus. Viele Arbeitnehmer lassen sich die Pakete mit ihren Schnäppcheneinkäufen auch direkt auf Arbeit schicken, diese Variante wird immer beliebter und gilt zu dem als sicher, da man das Paket selbst in Empfang nimmt.