Auto als Datenkrake – Das weiß der Hersteller über mich

In Zeiten immer moderner werdender Fahrzeuge, spielt es für viele Autofahrer nicht mehr nur eine Rolle, welchen Komfort ein Auto bietet, sondern auch, welche Informationen der Fahrzeughersteller über einen als Kunden selber erhält. Waren es einst nur Facebook, WhatsApp und Co., die zahlreiche persönliche Daten ihrer Nutzer „abgreifen“, ist dieses Thema inzwischen auch bei „smarten“ Autos verschiedener Hersteller entsprechend relevant. Glaubt man dem ADAC, zeichnen die Hersteller inzwischen nahezu alle Daten auf, die man als Person im Fahrzeuginneren von sich preisgibt. Das gilt dabei vor allem für Fahrzeuge, die mit einer Sprachsteuerung ausgestattet sind. Aber auch bei anderen Modellen kann dies geschehen.

Welche Daten werden gesammelt und wie oft erfolgt eine Datenweitergabe?

Eine Untersuchung des ADAC hat ergeben, dass einige Fahrzeuge nahezu alle Daten der Nutzer speichern – und diese teilweise im Minutentakt an den Hersteller weiterleiten. Einzelne Fahrzeuge – vier Modelle wurden insgesamt untersucht – kontaktieren den Hersteller alle zwei Minuten und geben dann Daten wie Kilometerstand, Reifendruck oder auch Verbrauch des Fahrzeuges weiter. Hinzu kommen aber auch sensiblere Daten wie beispielsweise spontane Straffungen der Sicherheitsgurte oder auch ein häufiges Fahren im hohen Drehzahlbereich. Beides wären Indizien dafür, dass man als Fahrer vielleicht eine actionreiche Fahrweise wählt. Mitunter können derartige Daten dann auch für den KFZ-Versicherer von Interesse sein.

Auto als Datenkrake   Das weiß der Hersteller über mich

Hinzu kommt auch die Erhebung von Informationen über das Fahren mit Licht oder die häufige Verstellung des Fahrersitzes. Letzteres kann wiederum darauf hindeuten, dass mehrere Fahrer im Fahrzeug unterwegs sind. Via GPS werden außerdem in gar nicht so wenigen Fällen gefahrene Strecken gespeichert oder auch die exakte Position auf dem Parkplatz des Supermarktes. Hieraus ergeben sich vielfach eindeutige Bewegungsmuster. Die gesammelten Daten der modernen Fahrzeuge sind also recht umfangreich und längst nicht alle Aspekte sind hierbei für den Hersteller tatsächlich relevant. Gespeichert werden sie trotzdem.

Weshalb speichert ein Auto so viele Daten und was macht der Hersteller damit?

Aus welchen Gründen die einzelnen Daten gespeichert werden, kann nicht pauschal beantwortet werden. Vielmehr sind es hier mehrere Gründe. Während Google und Co. bereits länger alle möglichen Daten abspeichern, ist dies bei Autos erst seit kurzer Zeit der Fall. Allerdings wollen Hersteller wie Volkswagen oder auch BWM hier nicht auf der Strecke bleiben – wer weiß schon, was sich mit den erhobenen Daten später einmal anfangen lässt?

Auto als Datenkrake   Das weiß der Hersteller über mich

Einige Beispiele der Datenerhebung. Bildquelle: ADAC / http://bit.ly/adac_daten


Im Bereich praktischer Überlegungen ist schlichtweg die Kooperation mit einem KFZ-Versicherer zu nennen oder auch die Unterhaltung einer eigenen Versicherungssparte. Anhand des Fahrstils kann man dem Fahrer somit individuelle Angebote unterbreiten – für eine Kasko-Versicherung zum Beispiel oder auch für eine Lebensversicherung. Gibt man an, das Auto alleine zu nutzen und wird dann der Fahrersitz häufig in der Position verändert, deutet dies auf weitere Fahrer hin – somit muss man sich als KFZ-Halter in Zukunft vielleicht schon gegenüber der Versicherung rechtfertigen. Fährt man vielfach rasant und schnell, können höhere Versicherungsbeiträge eine mögliche Folge sein. Das Potential ist in diesem Bereich also durchaus vorhanden.

Der Hersteller Mercedes verspricht seinen Kunden Diskretion und will die Daten nur soweit es erforderlich ist nutzen. Anders ist es zum Beispiel bei Renault. Das Modell Zoe kann ferngesteuert werden. Zumindest lässt sich die Batterie mit wenig Aufwand sperren, sodass das Fahrzeug dann nicht mehr gefahren werden kann. Eventuell stellt dies eine Lösung dar, falls eine Rate des Leasingsvertrages nicht pünktlich gezahlt wird, um den Kunden zur Zahlung zu bringen.

Kann man sich gegen das datensammelnde Auto wehren?

Rein rechtlich kann man sich gegen ein Auto, welches unzählige Daten sammelt, kaum zur Wehr setzen. Wer ein solches Fabrikat kauft, stimmt mit dem Kauf der Datenverarbeitung und Datennutzung zu. Und das umfasst alle erhobenen Daten, die gespeichert werden. Zudem ist es nicht möglich, die Datenübertragung einfach zu unterbrechen – tief in der Elektronik finden sich erst entsprechende Informationen zur Datenweitergabe, sodass man als Fahrer daran kaum herankommt. Inzwischen fordert der ADAC eine Webseite, auf der alle Fahrzeuge gelistet werden, die Daten an die Hersteller weiterleiten. Und auch, welche Daten weitergegeben werden. Bisher ist das aber nur eine Forderung, umgesetzt ist es längst nicht.

Gebrauchte Fahrzeuge bieten eine Lösung

Eine einzige Lösung gibt es aber noch. Ältere Fahrzeuge – die älter sind als fünf Jahre – sind in den allermeisten Fällen noch nicht derartig vernetzt und speichern fahrzeugrelevante Daten lediglich in der eigenen Bordelektronik. Darauf hat dann die Werkstatt Zugriff, die solche Infos aber wohl kaum an den Hersteller weiterleiten wird.

Ändern wird sich das aller Voraussicht nach erst ab dem Jahr 2018. Dann wird in allen Fahrzeugen eine SIM-Karte verbaut, die den Notruf E-Call möglich machen soll. Dieser wird dann flächendeckend zur Pflicht. Es ist damit dann möglich, im Falle eines Falles direkt über das Auto Hilfe zu rufen und zum Beispiel den Rettungsdienst zu alarmieren. Mit dieser Technik wird aber noch viel mehr möglich, was dann auch für andere Bereiche des Lebens eine Relevanz bekommt.

So kann mit einer integrierten SIM-Karte im Fahrzeug auch genau aufgezeichnet werden, wann welche Orte besucht werden. Wer viel beim Burgerbrater parkt, kann möglicherweise in der Folge Post von der Krankenversicherung erhalten und muss dann eventuell Sonderprämien aufgrund eines wenig gesunden Lebensstils zahlen? Erste Datenschützer schlagen bereits Alarm und warnen vor der neuen Technik, die den Autofahrer ebenso gläsern macht wie den Internetnutzer.

E-Call wird auch Vorteile bieten

Mit dem neuen E-Call Notruf sind aber auch Vorteile verbunden. Denn auch die Werkstatt hat Zugriff auf die Daten oder bekommt diese vom Hersteller übermittelt. Somit kann der Bordcomputer dann auch darüber informieren, dass der Reifendruck nachlässt oder dass die Bremsen einen Defekt aufweisen. Eine schnelle Reparatur ist auf diese Weise natürlich ebenso möglich und das kann unter Umständen auch Leben retten und den Straßenverkehr sicherer machen.

Fazit: Daten werden umfassend erhoben – teilweise mit zweifelhaften Hintergründen

Innerhalb von modernen Fahrzeugen mit hochspezialisierter Technik an Bord werden bereits seit einiger Zeit umfangreich Daten gesammelt und an die Hersteller weitergeleitet. Dort werden die Daten mitunter auch verwendet und können zum Beispiel im Bezug auf die eigene KFZ-Versicherung eine Rolle spielen. Doch viele Daten werden bislang auch ohne Gründe gesammelt und gespeichert, ohne das hierbei klar ist, welchen Zweck die Hersteller damit verfolgen. Spätestens ab 2018 wird sich dies noch einmal umfangreich verändern, wenn alle Fahrzeuge mit SIM-Karten für den E-Call ausgestattet werden. Bis dahin hilft oftmals nur der Kauf eines gebrauchten Fahrzeugs.

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