Xiaomi Mi 9 Test

Da ist es also. Das neueste Flaggschiff aus dem Hause Xiaomi hat uns nun auch endlich erreicht. Wir dürfen dank Gearbest in den Genuss kommen und das Xiaomi Mi 9 als Global Version testen. Das bedeutet, dass wir vollen LTE Empfang und deutsche Sprache der MIUI Rom zur Verfügung haben.

An dieser Stelle auch noch mal ein großes Dankeschön an Gearbest, die uns das Gerät wie gesagt zur Verfügung gestellt haben.

Preis & Anschaffung

Der Preis des Mi 9 variiert wie üblich je nach Speicherausstattung, Farbe, Modell und auch Händler. Aus China könnt ihr unter anderem bei Gearbest das 128GB Modell, welches wir auch zur Verfügung haben, schon ab 400€ bekommen. Natürlich muss man auch ganz klar sagen, dass die Preise stets im Wandel sind und das Mi 9 wahrscheinlich ab Sommer oder spätestens Herbst 10-20% günstiger zu haben sein wird. Bis auf Apple sind solche Preisfälle normal.

Xiaomi Mi 9 Test

Achtet wie immer auf den korrekten Import. Gearbest bietet hier entweder EU Lager oder die bekannte “Priority Line” Versandmethode an. Für andere Shops kann ich an dieser Stelle leider nicht sprechen. Eine Garantie für Zollfreiheit gibt es natürlich nie. Im Zweifelfall solltet ihr immer innerhalb der EU bestellen. Amazon Spanien hat unter anderem Xiaomi Geräte im Sortiment und Zollgebühren gibt es auch keine. Damit würdet ihr auf jeden Fall eine seriöse Schiene fahren.

Das Gehäuse vom Xiaomi Mi 9

Das Xiaomi Mi 9 ist mit seinen 157,5 x 74,7 ähnlich groß wie ein Xiaomi Mi Mix 3 (157,89 x 74,69 x 8,46 mm), mit 7,6 Millimetern allerdings deutlich dünner. Das Gewicht von 174 Gramm geht für die Abmessungen sogar noch in Ordnung. Der in der gleichen Farbe lackierte Rahmen besteht aus Metall und beherbergt auf der linken Seite einen speziellen Button für den “MI AI” genannten Sprachassistenten. Bei der vorliegenden Global-Variante nimmt er aber auch mit dem Google Assistenten vorlieb. Auf der rechten Seite befindet sich der Ein-/Ausschalter sowie ein Lautstärketaster. Beide Drücker liegen sehr eng beieinander.

Die “schwarze” Rückseite (eigentlich eher ein tiefes Grau) besteht dabei aus Glas und bringt neben einer Triple-Kamera auch eine LED zum Vorschein. Der Fingerabdruckscanner befindet sich unter dem Displayglas auf der Vorderseite. Das Xiaomi Mi 9 steht in den Farben Piano Black (Schwarz), Ocean Blue (Blau) und Lavender Violet (Violett) zur Verfügung. Die beiden “richtigen” Farben zeigen dabei einen netten “Spectral-Effekt”. Das Schwarz ist eher ein Dunkelgrau. Beim internen Speicher hat man die Wahl zwischen 64/128/256 GByte. Der Arbeitsspeicher beträgt je nach Modell 6/8 GByte oder sogar 12 GByte. Die gibt es allerdings nur bei der (hierzulande noch nicht verfügbaren) “Alita Battle Angel” Edition mit transparenter Rückseite.

Das Display ist dank AMOLED ein Hingucker

Das 6,39 Zoll große AMOLED-Display aus dem Hause Samsung liefert einen tollen Schwarzwert und spart dabei auch noch (etwas) Energie. Die winzige Notch in der Mitte beherbergt nur eine 20-Megapixel-Kamera. Das Infrarotmodul des Xiaomi Mi 8 fehlt allerdings und daher ist ein Face-UNLOCK bei Dunkelheit nur sehr unzuverlässig möglich. Immerhin hat der Hersteller aber eine kleine, (nur) weiß leuchtende LED (rechts neben dem Ohrhörer) integriert. Die zeigt mir entgangene Anrufe bzw. Nachrichten an., die Bildschirmauflösung beträgt 1.080 x 2.340 Pixel (Full-HD+ bei 403 ppi). Die Farbdarstellung sowie die maximale Helligkeit sind beide ebenfalls exzellent. Der Hersteller hat auch an einen zeitlich programmierbaren Always-On Modus gedacht, nennt ihn aber “Ambient Display”.

Die Helligkeit beträgt im Normalzustand etwa 430 nit und kommt im Turbo-Boots (bei starker Sonneneinstrahlung) auf bis zu 600 nit. Das reicht für die Lesbarkeit im Freien absolut aus und wird nur vom Samsung Galaxy S10 und teilweise auch vom Huawei Mate 20 Pro übertroffen. Die Farbwiedergabe ist typisch für ein AMOLED, also etwas zu kräftig bzw. übersättigt. Das kann man in den Untiefen der Einstellungen aber auf seine eigenen Wünsche anpassen. Dort findet man eine stufenlose Farbeinstellung, den automatischen Kontrast-Modus, die Double-Tap-To-Wake-Geste sowie einen zeitlich einschränkbaren Nachtlesemodus mit reduziertem Blauanteil. Neu hinzugekommen ist ein spezieller “Dark Mode” der dann alle Texte auf schwarzem Hintergrund anzeigt.

Ein weiteres Highlight: die Kamera

Eines der Highlights des Xiaomi Mi 9 dürfte die rückseitig montierte Triple-Kamera mit ihrem 1,5 mm dicken Kamerabucksel sein. Die drei Optiken bieten dabei unterschiedliche Auflösungen und Brennweiten und decken somit ein breites Spektrum ab. Was keine der drei Linsen bietet? Einen optischen Bildstabilisator und das macht sich dann bei schlechten Lichtverhältnissen negativ bemerkbar, zumindest dann, wenn man Vergleichsmöglichkeiten (Galaxy S10+ oder Mate 20 Pro hat)

Xiaomi Mi 9 Test

Den hier eingesetzten 48 Megapixel Sensor (IMX586) aus dem Hause Sony kennt man zum Beispiel schon vom Honor View 20. Mit seiner Blende f/1.75 kann er in der Theorie viel Licht auffangen. In der Praxis erreicht er das aber nur über das sogenannten “Pixel Binding”. Dabei werden jeweils 4 Pixel zusammengefasst, so dass am Ende eine 12-Megapixel-Aufnahme rauskommt. Wer mag, kann aber auch “echte” 48-Megapixel bei seinen Aufnahmen nutzen. Die bieten dann leider keinen Mehrwert, denn statt mehr Details bekomme ich bei schlechteren Lichtverhältnissen nur zusätzliche Artefakte.

Die beiden übrigen Kameras lösen mit 12 Megapixel auf (Teleobjektiv mit Blende f/2.2), bieten einen (verlustfreien) zweifachen Zoom und Portrait-Aufnahmen mit Bokeh-Effekt sowie einen Weitwinkel-Modus mit 16 Megapixel und Blende f/2.2. Die Selfie-Kamera auf der Vorderseite kommt auf eine Auflösung von 20 Megapixel, der Sensor stammt dabei von Omnivision. Die Aufnahmen geraten bei ausreichend Licht scharf und auch die Farbdarstellung gab keinen Anlass zur Klage. Auch im Portrait-Modus bekommt man einen guten, recht “natürlich” wirkenden Bokeh-Effekt zu Gesicht, der ab und an Probleme mit der Maskierung hat. Haare werden daher oft unscharf und nicht sauber vom Hintergrund getrennt. Auf Wunsch werden die Aufnahmen mit den üblichen “Beauty-Optimierungern” für Gesicht und Körper optimiert.

Aufnahmen bei Dunkelheit bzw. schlechten Lichtverhältnissen werden zudem über einen speziellen Nachtmodus aufgepeppt. Videos zeichnet die eingebaute Kamera in 4K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde auf. Die Tonqualität ist dabei gut. Daneben steht auch noch eine “Super Slow-Motion”, also eine Zeitlupe zur Verfügung. Die 960 Bilder pro Sekunde werden allerdings nur durch einen Softwaretrick erreicht (240 Bilder pro Sekunde interpoliert). Mir persönlich reicht die Kameraqualität vollkommen. Die integrierte AI halte ich für eine Spielerei.

Snapdragon 855 und großer Akku

Im Xiaomi Mi 9 kommt der nagelneue Snapdragon 855 Prozessor mit acht Kerne mit bis zu 2,84 GHz zum Einsatz. In Kombination mit 6 GByte Arbeitsspeicher liefert der SoC einen absoluten Spitzenwert, schneller als das europäische Samsung Galaxy S10 Plus. Im Geekbench 4 kommt die CPU auf 3.449 Punkte im Single-Core und 10.921 im Multi-Core. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark reicht es für 374.170 Zähler. Das MIUI 10.2 Global sowie die von mir getesteten Top-Spiele und Apps im GooglePlay Store liefen absolut flüssig. Aspahlt 9 aus dem Hause Gameloft wird allerdings nicht offiziell vom Play Store unterstützt. Da muss man sich die passende APK erst aus dem Netz ziehen. Das Mi Mix 3 ist Google zertifiziert und besteht den Safetynet-Test.

Der 3.300 mAh starke Akku hält im PcMark Akkutest rund 10:47 Stunden durch. Im Alltag erreicht man eine Screen-On-Time zwischen 7 Stunden (nur WLAN) und 4-5 Stunden (WLAN/LTE). Im täglichen Gebrauch wird man sein Xiaomi MI 9 spätestens am Abend an die Steckdoese hängen müssen. Aufgeladen wird die Kraftzelle dabei entweder über ein USB-Typ-C-Kabel mit bis zu 27 Watt oder drahtlos mit bis zu 20 Watt. Theoretisch beherrscht das Mi Mix 3 Quick Charge 4+, der mitgelieferte Adapter unterstützt aber “nur” Quick Charge 3.0 mit 18W. Nach knapp 30 Minuten ist der Akku zu 50% aufgeladen, eine vollständige Ladung dauert damit rund 90 Minuten. Ein Schnellladegerät mit QC4+ ist nach 65 Minuten wieder arbeitslos. Drahtlos dauert der Vorgang zwischen 2 Stunden und 2:15 Stunden (mehr als rund 15 Watt hat das Mi 9 dabei nicht zugelassen). Das passende, drahtlose Ladegerät muss man sich übrigens selber kaufen. Im Gegensatz zum MI Mix 3 legt der Hersteller es nämlich nicht mit in die Verpackung. Und gerade die Power-Variante mit 20 Watt gibt es bei Xiaomi nur über Umwege (Import) zu kaufen, preislich muss man da dann mit 35 Euro rechnen.

Xiaomi Mi 9 Test

MIUI 10 ohne Bloatware

Das Xiaomi Mi 9 kommt ab Werk bereits mit MIUI 10.2 auf der Basis von Android 9 Pie. Die Global-Version kommt bereits ab Werk mit allen wichtigen Sprachen und Google Apps daher. Das MIUI ist zunächst ziemlich gewöhnungsbedürftig, findet man die gängigen Einstellungen doch mitunter an anderer Stelle. Am ehesten ist es noch mit HUAWEI EMUI zu vergleichen. Beide Systeme bzw. Oberflächen wirken manchmal etwas verspielt und können optisch auch noch über spezielle Themen angepaßt werden. Auch hier gilt: wer eine andere Region einstellt, bekommt auch andere Apps bzw. Einstellungsmöglichkeiten zu Gesicht. “Deutschland” ist eher ungeliebt, so gibt es dann beispielsweise keine Unterstützung für Themen.

Über das Xiaomi Sicherheitscenter kann man den installierten Apps so ziemlich alle Rechte entziehen. Die Apps mit in den Autostart übernehmen (WICHTIG bei Messengern wie Telegramm oder WhatsApp) oder den Akkuschoner aktivieren. Dann werden Apps im Hintergrund beispielsweise früher beendet. Wer die Notification-Icons in der Statusleiste sehen will, muss dies an dieser Stelle ebenfalls aktivieren. Sonst bekommt man sie nämlich nicht zu Gesicht. Eine Sache noch: MIUI nutzt mittlerweile eine Menge Werbung in eigener Sache, so ist quasi jede App mit Ads vollgepackt. Die kann man in den EINSTELLUNGEN der App bzw. beim erster Einrichtung des Smartphones aber deaktivieren.

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