Test des Creality CR-10 V2 3D-Druckers

Test des Creality CR 10 V2 3D Druckers

Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir Mein-Deal-Redakteure mitunter die eifrigsten Kunden in unserem Blog sind. So hatte Micha vor ca. einem halben Jahr den Creality Ender 3 als Angebot gepostet und ich habe spontan einmal zugeschlagen. Das führte dazu, dass ich in den folgenden Wochen geflucht, gerätselt, gespannt gewartet und sehr viel gelesen habe. Aber so hat sich über die Zeit ein neues Hobby für mich entwickelt.

Irgendwann kommt es aber dazu – wie in jedem Hobby – dass man selbst noch etwas mehr Qualität aus seinen Druckergebnissen herauskitzeln möchte und reichlich Optimierungen an seinem Ender 3 vornimmt. Und genau hier setzt Creality an und hat zahlreiche Optimierungen und Kritikpunkte der Community umgesetzt und in das neue Design des CR-10 V2 eingebracht. Ob sich die kosmetischen Besonderheiten auszahlen und wie das Druckergebnis aussieht, wollte ich euch zeigen.

Aber so sehr ich mich auch bemüht habe – wirklich zu bekommen war der neue Spross aus dem Hause Creality nicht. Also haben wir den Versuch gewagt und GearBest direkt angeschrieben – und was soll ich sagen? Es hat geklappt! GearBest hat uns schnellstmöglich den Drucker zugesandt, auf dass wir diesen auf Herz und Nieren bzw. auf Riemen und Motor testen konnten. Daher möchte ich mich an dieser Stelle dafür bedanken, dass dies möglich war und damit überhaupt einen Test erst ermöglicht hat.

Lieferung, Zubehör und Vorbereitung

Wie ihr es bereits von meinen bisherigen Testberichten gewohnt seid, starte ich mit dem Kapitel Lieferung, Zubehör und Vorbereitung. Dieses Kapitel wird – bei einem 3D-Drucker, der noch nicht ganz aufgebaut ist – ein etwas Längeres als sonst. Aber eine intensive Vorbereitung ist besonders bei 3D-Drucken sehr wichtig, um nicht den Drucker zu zerstören, das Druckergebnis unbrauchbar werden zu lassen oder eben um Filament zu sparen… ihr Sparfüchse! 😉

Die Lieferung an sich erfolgte relativ unspektakulär, wobei der Postbote an dem recht unhandlichen Paket mit über 15 kg Gewicht schon ordentlich zu schleppen hatte. Bei einer Druckgröße von 300 x 300 x 400 mm aber auch kein Wunder. Der Karton ist – entgegen der Selbstbaudrucker Ender 3 und co. – prall gefüllt mit der Bodengruppe, dem Aufbau, der Stabilisationsstreben und dem Zubehör samt Werkzeug. Alles ist gut und sicher verpackt und kam dadurch unbeschädigt bei mir an.

Die Zubehörliste ist hier so lang, dass ich euch nur die wesentlichen Dinge nennen werde, denn das Werkzeug (Filamentzange, Imbusschlüssel, Schraubendreher, Spachtel, …) habt ihr bei den Creality-Druckern ja ohnehin immer dabei. Besonders klasse fand ich, dass noch eine Rolle mit 200g Filament, ausreichend Ersatzmaterial (Nozzle, Bowden, Gummifüße, …) und natürlich eine SD-Karte mit USB-Adapter beilagen. Die mitgelieferte SD-Karte nutze ich aber nicht, da die Karten meist minderwertige Qualität haben und zu Druckabbrüchen führen können. Ich nutze daher einfach meine MicroSD-Karten mit SD-Adapter vom Ender 3.

Aber zumindest einmal solltet ihr die Karte dennoch in euren Rechner schieben, denn eine detaillierte Aufbauanleitung gibt es als PDF-Dokument nur auf der Karte. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir einige Zeit und Nerven beim Aufbau erspart. :-/ Ich habe online nach dem Herstellervideo gesucht und versucht diese Abfolge einzuhalten – leider werden dort aber einige Schritte ausgelassen und einige Schrauben nicht benannt… Für einen ersten Überblick und zum Abschätzen, ob ihr euch den Aufbau überhaupt zutraut, könnt ihr aber dennoch in das Video schauen:

Test des Creality CR 10 V2 3D Druckers
Der Aufbau selbst geht dann aber flott von der Hand und der Drucker steht recht schnell betriebsbereit da. Naja fast, denn ihr solltet unbedingt folgende Dinge vorher noch einstellen, um so euren Drucker nicht unnötig zu quälen:

  1. Riemenspannung prüfen (war bei mir aber ok)
  2. Alle Anschlüsse und Leitungen noch einmal kontrollieren (eine Verpolung ist hier ausgeschlossen, aber der Z-Achsensensor war bei mir nicht angeschlossen)
  3. Alle Räder auf Leichtgängigkeit prüfen (Dreht an jedem Rad und prüft, ob sich der Schlitten bewegt. Wenn ein Rad durchdreht, oder zu stramm sitzt, dreht leicht an dem Rad mit dem Exzentergewinde nach und prüft erneut.)
  4. Z-Achsensensor genau anbringen (ich weiß, das ist nervig, aber ihr könnt euch sonst euer tolles Glasbett zerstören)
  5. Leveln! Leveln! Leveln! – man kann es nicht oft genug sagen bzw. schreiben, aber hier solltet ihr genau arbeiten. Nur wenn die Nozzle das geschmolzene Filament sauber auf die Glasfläche bringt, habt ihr am Ende tolle Druckergebnisse. Also schnappt euch ein Stück Papier (beispielsweise einen Notizzettel) und stellt das Druckbett ganz genau ein!

Wenn ihr zu alldem Fragen habt, schreibt mir gerne in die Kommentare oder durchforstet YouTube – es gibt viele tolle Anleitungen dazu! Das Slicen oder Designen eines 3D-Modells soll hier einmal außen vor bleiben, denn auf der mitgelieferten SD-Karte habt ihr bereits 3 fertige Modelle zum direkten Ausdrucken. 😉

Test des Creality CR 10 V2 3D Druckers

Design und Details

Was mir direkt auffällt, ist die dominierende Farbe blau! Denn das Lüftergehäuse und die Lager der X-Achse sind nun in blaues Metall bzw. Plastik gefasst. Das sieht nicht nur gut aus, sondern bringt auch ein komplett neues Lüfterdesign mit, womit wesentlich bessere Bridges gedruckt werden können.

Weiterhin beinhaltet der Drucker einige Dinge, die man bereits als Zubehör für den Ender 3 oder andere Drucker aus dem Hause Creality kaufen kann. Dazu gehören beispielsweise die Streben, die den Drucker wesentlich mehr Stabilität verleihen, ein neuer Metallextruder, ein Filamentsensor, höhere Gummifüße, eine Aufnahme für BL-Touch (einem automatischen Levelingsystem von Creality) und für einen Directextruder (ideal für TPU und andere weiche Filamente).

Unter der Haube wurde dem Drucker ein neues Netzteil mit 350 Watt spendiert, womit sich wesentlich bessere Aufheizzeiten des Bettes und der Nozzle ergeben. Außerdem gibt es nun das neue Silent-Mainboard, welches die Motoren des Druckers so steuert, dass diese quasi unhörbar geworden sind. Während sich normale 3D-Drucker nach einer Mischung aus Diskettenlaufwerk und Nadeldrucker anhören, ist das wirklich ein riesen Komfortgewinn, wenn der laute Netzteillüfter nicht wäre…!

Besonderheiten zum Vorgänger und zum Ender 3

Was bringt das aber insgesamt für das Druckergebnis? Nun, fangen wir mit den Daten von Creality selbst an. So verspricht uns der Hersteller, dass die zweite Version eine um 55% bessere Kühlung des Hotends, eine bessere Wärmeverteilung und insgesamt somit ein um 10% besseres Druckergebnis bietet. Weiterhin soll der Drucker unter 50 dB Lautstärke emittieren und 200 Stunden nonstop durchdrucken können. Das habe ich natürlich nicht getestet, aber ein 16 Stunden anhaltender Druck hat keine Probleme gemacht. 🙂

Der Extruder stellt auch eine Besonderheit dar, da dieser komplett aus Metall gefertigt ist (hier frisst sich kein Filament in das Material), eine einstellbare Feder besitzt und in Kombination mit dem Filamentsensor einen Totalausfall des Drucks verhindern kann. Leider hat die Kombination den Nachteil, dass das Filament eher schlecht eingefädelt werden kann, aber dazu nachher mehr.

Das waren die Unterschiede zum Vorgänger. Da ich jedoch einen relativ neuen Ender 3 zum Vergleich besitze, möchte ich noch auf wesentliche Unterschiede dazu eingehen. Denn eine Wiederaufnahme der Drucksession nach einem Stromausfall und ein 24V-Netzteil bietet auch dieser. Der Vorteil beim CR-10 V2 liegt vielmehr in der bereits fast komplett aufgebauten Lieferung. Für meinen Ender 3 habe ich fast 4 Stunden benötigt, der CR-10 war in 30 Minuten einsatzbereit. Zudem bietet der CR-10 viele Details, die ich beim Ender 3 erst nachgedruckt bzw. gekauft habe. Dazu zählen:

  1. hochwertigere Federn für das Druckbett
  2. ein Glasbett
  3. 2 parallele Spindeln für die Z-Achse für mehr Stabilität
  4. bessere Füße
  5. mehr Stabilität durch parallele Laufschienen
  6. der bereits erwähnte Extruder

Natürlich reden wir hier auch von einer gänzlich anderen Preisklasse, aber die Details und das Druckbild müssen ja irgendwo herkommen. Und außerdem zeigt das, dass Creality hier wirklich Kritik aufnimmt und umsetzt!

Test des Creality CR 10 V2 3D Druckers

Die Druckergebnisse

Was soll ich sagen? – Die Druckergebnisse sind direkt sehr gut und nach etwas Nacharbeiten perfekt für diese Preisklasse! Ich habe anfangs direkt die Haftung am Glasbett getestet, in dem ich ein großes dünnes Objekt gedruckt habe. Hier zeigt sich deutlich, dass das Leveln noch wichtiger als beim Gummipad ist, da die Nozzle schnell am Glas schabt oder sich der Druck später löst. Beim ersten Durchgang war alles super, der zweite Durchgang ging gänzlich daneben… hier war erneutes Leveln angesagt – dann passte alles.

In den nächsten beiden Testphasen sollte der Drucker einmal zeigen, wie er mit einem längeren Druck mit PETG umgeht. Ich habe ohnehin eine Box drucken müssen, die ca. 30 x 18 cm groß ist. Hier spielt das große Druckbett natürlich seine Vorteile aus und ich konnte sogar mit Skirt drucken! 😀 Mit 93% Flow, 225°C Nozzle- und 75°C Betttemperatur sah das Druckergebnis der Decklayer wirklich klasse aus! Das Stringing hielt sich hier auch deutlich mehr in Grenzen als beim Ender 3! Nachdem der Druck beendet war und sich das Druckbett abgekühlt hatte, konnte ich den Druck sehr leicht vom Bett lösen… klasse! Mit normalem PLA habe ich noch ein Objekt mit vielen Rundungen (ein Ei und einen Omnom) gedruckt… Hier lässt sich an der Z-Scar immer ganz gut die Qualität der Layer beobachten. Die Rundungen an sich waren nicht eckig und perfekt rund, die Scar war bis auf wenige Ausnahmen praktisch nicht sichtbar. Erschütterungen haben den Drucker genauso wenig interessiert, wie Kontakte mit überstehenden Filamentresten am Druckobjekt. Ich finde die Ergebnisse wirklich sehr gut!

Kritikpunkte?!

Wo Licht ist, muss doch auch Schatten sein, oder? Und genau hier sind wir im Kapitel Kritikpunkte angekommen. Denn einige Sachen haben mich an dem Creality CR-10 V2 wirklich tierisch genervt – auch wenn ich teilweise selbst daran Schuld habe! 😀

Fangen wir beim Aufbau an. Ich habe keine Bedienungsanleitung in ausgedruckter Form gefunden und mich daraufhin – auch dank meiner Erfahrungen mit dem Ender 3 – an den Aufbau gewagt. Viele Schrauben und Streben habe ich mehrfach an- und abbauen müssen, bis diese final gepasst haben. Hätte ich – wie ihr – den Hinweis auf die Anleitung auf der SD-Karte gehabt, wäre das besser verlaufen.

Apropos SD-Karte –mittlerweile bieten (fast) alle Geräte nur noch MicroSD-Karten-Slots an. Klar wird hier stets ein SD-Adapter mitgeliefert, aber wie schnell ist dieser denn weg? Daher finde ich persönlich NICHT als Vorteil, dass nun wieder eine SD-Karte benötigt wird. Übrigens wird auf der mitgelieferten SD-Karte nur eine steinalte Cura-Version mitgeliefert. Die aktuelle Version 4.4 solltet ihr euch also direkt hier herunterladen: https://ultimaker.com/de/software/ultimaker-cura

Im Kapitel Design und Details habe ich das neue Silent-Mainboard lobend erwähnt. Die Motoren und Riemen sind wirklich himmlisch leise, bis der Netzteil-Lüfter aufdreht. Die Serverschränke im Sommer könnten dem kleinen Krawallmacher wirklich Konkurrenz machen, bzw. anders herum. Schade, dass Creality an dieser Stelle keinen Silent-Lüfter eingebaut hat… L

Einen abschließenden Kritikpunkt gibt es außerdem noch an dem eingebauten Netzteil, bzw. der CPU! Die Reaktionsgeschwindigkeit am Display und beim Druck ist sehr träge. Ich bin es gewohnt, am Ender 3 Einstellungen auch während des Drucks noch nachzujustieren – sei es die Temperatur oder der Flow. Das ist beim CR-10 faktisch nicht möglich, denn Änderungen werden mit einer Pause im Druck (währenddessen sabbert Filament auf das Objekt) quittiert und nach einer Gedenkminute geht es weiter. Auch die allgemeine Bedienung am Display macht einen wahnsinnig, denn ständig wählt man eine falsche Einstellung, weil das Display selbst noch nicht die korrekte Einstellung angezeigt hat. Ist das bei euch auch so? Oder interessiert es euch gar nicht, weil ihr ohnehin mit Octoprint druckt?

Abschließend noch eine kleine Kritik, die einige sicher weniger interessiert. Ich habe mehrere Filamente genutzt und dadurch auch mehrfach das Filament wechseln müssen. Aber irgendwie bin ich noch nicht hinter die Schaltung des Filamentsensors gekommen. Entweder er verweigert mir das Durchfädeln des Filaments oder es geht leicht von der Hand. Hat man das Filament dann am Extruder, bekommt man es dort nicht in den Bowden durchgeschoben. Das klappt beim Ender 3 derartig leicht, dass ich in wenigen Sekunden ein neues Filament eingefädelt habe. Beim CR-10 V2 benötige ich hier schon mal fluchend ein paar Minuten.

Fazit

Ich gebe ihn nicht mehr her den CR-10 V2. Trotz der zuvor genannten Kritikpunkte bin ich mit den vielen Upgrades des Druckers und der Qualität der Drucke sehr zufrieden. Außerdem bekommt man für eine derart große Druckfläche heute kaum einen Drucker unter 500€.

Wenn ihr also keine zwei linken Hände habt, einen großen 3D-Drucker sucht und ohne großartige Umbaumaßnahmen perfekte Drucke möchtet, könnt ihr hier bedingungslos zuschlagen. Mal schauen, was ich als nächstes drucken werde… 🙂

Übrigens: Der Artikel strotzt nur so vor Fachbegriffen der Schmelzergemeinde. Wenn ihr also Fragen habt – zum Drucker oder allgemein – dann schreibt mir gerne in die Kommentare, ich werde so gut es geht alle Fragen beantworten. J Und nicht vergessen: Leveln! Leveln! Leveln! 😀

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