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Dez
2015

Ganzjahres- oder Winterreifen? Was taugt die Alternative?

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Auto im Schnee  Ganzjahres  oder Winterreifen? Was taugt die Alternative?

Bild: Seit 2010 gilt in Deutschland die Winterreifenpflicht. Bei solchen Witterungsverhältnissen ist die richtige Reifenwahl gefordert. Bildquelle: Anna Grigorjeva – 172259177 /Shutterstock.com

 

Jedes Jahr stehen im Frühling und wie jetzt im Herbst der Reifenwechsel an. Werkstätten haben Hochsaison, Termine sind schwer zu bekommen, eingelagerte Reifen werden aufgezogen. Dieser Aufwand ist für viele Autofahrer ein Grund dafür zur Alternative zu greifen, auch schon weil sich die Kosten für den zweiten Reifensatz sparen lassen, ganz zu Schweigen von den Werkstattkosten. Wie leistungsfähig sind nun die Allwetterreifen? Was sagt das Gesetzt dazu? Daher mal ein kleiner neuer Ratgeber unsererseits.

Eine situative Winterreifenpflicht gibt es in Deutschland seit 2010. Das bedeutet, dass es verboten ist bei winterlichen Straßenverhältnissen (§2 Absatz 3a StVO: Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis – oder Reifglätte) mit Sommerreifen zu fahren. In Österreich wird dafür der Zeitraum von Anfang November bis Mitte April festgesetzt und unter Strafe gestellt, wenn dies nicht eingehalten wird.

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Wenn also zwischen dem 1. November und 15. April winterliche Verhältnisse vorherrschen, gilt auch in Österreich die Winterreifenpflicht.

Viele Autobesitzer greifen daher auf Allwetterreifen zurück, denn genau wie die ausgewiesenen Winterreifen sind Ganzjahresreifen im Winter gesetzlich zulässig. Qualitativ besteht jedoch ein großer Unterschied zu richtigen Winterreifen, denn die Allwetterreifen können aufgrund ihrer Machart nicht mit den Wintermodellen mithalten.

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Eine Frage der Sicherheit: Winterreifen oder Ganzjahresreifen? 

Laut Gesetzt ist es zulässig sowohl Winterreifen, als auch Ganzjahresreifen zu verwenden. Laut Straßenverkehr-Zulassungs-Ordnung ist es egal, ob ein KFZ bei winterlichen Verhältnissen mit Ganzjahresreifen oder Winterreifen ausgerüstet ist. Wenn man jedoch an die eigene Sicherheit denkt, ist die Verwendung von Ganzjahresreifen nicht empfohlen, da die Profilbeschaffenheit und die Materialmischung nicht optimal für die Verwendung bei Kälte, Schnee und Eis geeignet sind.Nach europäischer Richtlinie 92/23/EWG sind bei winterlichen Straßenverhältnissen nur M+S Reifen zulässig, die auch so gekennzeichnet sind. 

Welche Reifenarten gibt es? 

Absatz von Pkw Winterreifen  Ganzjahres  oder Winterreifen? Was taugt die Alternative?

Statistik: 2010 wurden 27,4 Millionen Winterreifen in Deutschland verkauft.

 

Sommerreifen: Die Reifen müssen bei großer Hitze die durch die Reibung auf heißem Asphalt entsteht für gute Fahr- und Bremsstabilität sorgen. Die Laufflächenmischung ist viel härter, als bei Winterreifen. Außerdem sind die Laufflächen auf Aquaplaning optimiert, welche nicht mit den Laufflächen die für Schnee nötig sind, vergleichbar ist.

Winterreifen: Winterreifen sind mit einer weichen Gummimischung ausgestattet, die dafür sorgt, dass der Reifen auch bei Kälte elastisch bleibt. Dadurch kann der Reifen auch bei Temperaturen weit unter 0 Grad für eine hohe Fahrstabilität sorgen und kurze Bremswege gewährleisten. Dazu kommen zahlreiche wellenförmige Lamellen, die dafür sorgen, dass auch auf Schnee und Eis ein hoher Grip besteht.

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links Winterreifen, rechts Sommerreifen

Ganzjahresreifen: Der Ganzjahresreifen stellt einen Kompromiss zwischen Winter- und Sommerreifen dar. Im Grunde ist er ein Winterreifen, der auch im Sommer gefahren werden kann. Durch die Anpassung an den Sommer verliert er aber die stark benötigten Eigenschaften im Winter und sorgt für schlechtere Fahrstabilität, negative Handling-Eigenschaften und sehr lange Bremswege im Vergleich zu echten Winterreifen. Ein neuer Ganzjahresreifen ist jedoch besser als ein alter oder gebrauchter Winterreifen.

So gibt es für jeden Untergrund den passenden Reifen, aber keine 100%ige Sicherheit auch genau diesen Untergrund anzutreffen. Ganzjahresreifen sind nur als Mittellösung zwischen den oben genannten Sommerreifen und Winterreifen ausgelegt. Sie sollen zu jeder Jahreszeit, bei allen Wetterbedingungen einsatzfähig sein. Deshalb ist das Profil sowohl für warme Wetterbedinungen, als auch für Nässe und Eis konzipiert. Dabei kommen Längsrillen, mit Profilblock-Verzahnungen und Lamellen zum Einsatz. Jedoch ist für Extremsituationen nur eine dieser Profilekonzepte wirklich effizient. Daher ist der Reifen nur ein Mittelweg, aber nie die beste Lösung. Beer betont “Auf Schnee ist die Sache ganz klar, da hilft nur ein richtig guter Winterreifen mit Lamellen, der in einem guten Zustand ist”.

M+S = Winterreifen? 

Nach Regelung der Bundesregierung muss ein Reifen im Winter mit der M+S Kennung ausgestattet sein. Diese steht für Matsch und Schnee, also einem gröberen Profil. Allerdings ist die Regelung sehr schwammig gehalten, da M+S keine wirkliche Spezifikation voraussetzt. Rs gibt Reifen, die fast ein Sommerprofil aufweisen und trotzdem das M+S Symbol tragen. Deshalb gibt es zusätzlich für den Verbraucher das Schneeflockensymbol, welches von der Reifenindustrie eingeführt wurde. Während M+S vom Gesetzt gefordert wird, sollte man für seine eigene Sicherheit auf das Schneeflockensymbol achten, da bestimmte Anforderungen erfüllt werden müssen, um dieses zu bekommen.

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Was für ein Autofahrer ist man?

Leute die einen Kleinwagen in einer Großstadt bewegen können wohl eher auf die Ganzwetterreifen zurückgreifen, da sie das Auto meist nur für den Stadtverkehr nutzen. Leute die hingegen regelmäßig lange Strecken fahren und sowohl im Sommer, als auch im Winter ihrem Auto viel abverlangen, sollten wohl eher zu der klassischen Lösung tendieren, denn ein im Sommer beanspruchter Reifen erfüllt im Winter nicht mehr seinen eigentlichen Zweck. Auch bietet die traditionelle Lösung mit einem Sommer- und einem Winterreifensatz verschiedene Vorteile. Zum einen sind die Sommerreifen mittlerweile sehr viel langlebiger, so dass sie lange gefahren werden können. Zum anderen müssen Ganzjahresreifen öfter gewechselt werden, um zu jeder Jahreszeit für Sicherheit zu sorgen. Natürlich hat man einmalig einen Mehrkostenpunkt, wenn man einen zweiten Felgensatz kaufen muss, spart dann jedoch für mehrere Jahre bei gleichbleibender Sicherheit.

Wer jedoch in ländlichen Regionen wohnt, wo es keinen oder nur einen eingeschränkten Winterdienst gibt, kommt man fast nicht um eine 2-Felgenlösung mit Sommer- und Winterrädern herum.

Was meist vergessen wird: Die Profiltiefe

Wer sich nun für eine Reifenart entschieden hat, sollte nicht den Fehler machen und vergessen die Profiltiefe zu messen. In Deutschland müssen es mindestens 1,6 Millimeter sein, jedoch raten Experten zu mindestens 3 Millimeter. Gunnar Beer vom Auto-Club Europa (ACE) bestätigt dies, “Die Bereifung ist das meistunterschätzte Teil am Auto”. Beer sagt weiterhin “Autofahrer interessieren sich leider nicht so sehr dafür, das zeigt schon die Kontrolle des Luftdrucks oder eben der Profiltiefe. Dabei nützt das beste Auto nichts, wenn der Reifen nicht haftet”.

Das Alter der Reifen spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Umso neuer der Reifen, umso besser sind seine Eigenschaften in den jeweiligen Extremsituationen. Ein 5 Jahre alter Winterreifen kann schon schlechtere Eigenschaften bei Schnee haben als ein neuer Allwetterreifen. Auch ist ein zu früher Wechsel auf den für die Jahreszeit besseren Reifen kann dafür sorgen, dass er dann nicht mehr ordentlich Funktioniert, wenn das Wetter dann umschlägt. So kann ein zu früh gewechselter Winterreifen beim Einsatz auf trockener Fahrbahn und hohen Geschwindigkeiten durch den stärkeren Verschleiß seine spezifischen Fähigkeiten auf Schnee verlieren. Ein Winterreifen hält in der Regel zwei Winter. Das klingt jetzt wirklich nach sehr wenig, ist aber leider tatsächlich der Fall. Nur wenn man stets mit einem “frischen” Reifen fährt, können die Reifeneigenschaften des Herstellers garantiert werden. Darüber hinaus ist auch der Winterreifen nur ein Kompromiss.

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Markenreifen statt Noname? 

Es muss nicht immer der teuerste Reifen sein. Es sind meist auch die günstigen Reifen von kleineren Herstellern, die die Bestnoten im Vergleichstest bekommen. Zumal viele auch nur Tochterfirmen der namhaften Hersteller sind, wie z.B. Fulda gehört zu Dunlop und Semperit gehört zu Continental.

Fazit

Monteur wechselt einen Autoreifen  Ganzjahres  oder Winterreifen? Was taugt die Alternative?

Bild: Wer sich den ständigen Reifenwechsel und der damit einhergehenden Werkstattkosten sparen möchte greift auf Ganzjahresreifen zu. Bildquelle: Kzenon – 69171829/Shutterstock.com

 

Im Endeffekt geht es um die Sicherheit für sich selbst, die eigene Familie und andere Verkehrsteilnehmer. Natürlich sind Reifen nicht günstig, aber während manche Autofahrer auf Ölwechsel und Inspektionen achten, wird meist die wichtigste Komponente vergessen: Der Kontakt zur Fahrbahn. Daher sollte man hier lieber nicht sparen und Ganzjahresreifen öfter wechseln oder zur traditionellen Lösung greifen und auch da darauf achten, dass sowohl Profiltiefe, als auch Alter im Rahmen sind.

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