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Mrz
2016

Kaufmännische Berufe: Der etwas andere Leitfaden

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Zwei junge Männer im Anzug bei einer Besprechung Kaufmännische Berufe: Der etwas andere Leitfaden

Bild: Kaufmännische Berufe gehören zu den beliebtesten Deutschlands. Bildquelle: Pressmaster – 158522279 / Shutterstock.com

 

Thomas wird bald 17. Er lebt in einer Kleinstadt am Fuße der schwäbischen Alb. Der Vater arbeitet bei einer großen Bank in Stuttgart, fährt Mercedes und raucht genüsslich gern Pfeife. Die Mutter dagegen ist die geborene Hausfrau, arbeitet jedoch als Bürokauffrau. „Die Arbeit muss dich erfüllen und Geld bringen“, erklärt sie Thomas jedes Mal, wenn es um seine Zukunft nach dem Studium geht. Sein Vater dagegen sieht die Welt etwas anders: „Erfolg zählt. Du darfst dich im Leben mit nicht weniger als der Chefetage zufriedengeben!“. Er hat an der Exzellenzuniversität Konstanz BWL studiert. Von der „Zeit am See“ schwärmt er heute noch, auch von seinem Praxissemester in Zürich. Seinen Traum, dass Thomas eines Tages in einer Schweizer Bank arbeiten könnte, hat er nie verborgen.

Seine Mutter ist dagegen viel unkomplizierter aus Thomas Sicht. Sie hat nach ihrer mittleren Reife eine Ausbildung zur Bürokauffrau in einem mittelständischen Unternehmen gemacht, wurde übernommen, und kurze Zeit später hat sie zu einem riesigen Industriekonzern in der Nähe gewechselt, wo sie auch nach den zwei Elternpausen wieder eingestiegen ist. Für die Mutter zählen die „einfachen Dinge im Leben“: Sie arbeitet halbtags und den Rest der Zeit scheint es für Thomas, als würde sie nur von Kaffeekränzchen zu Kaffeekränzchen springen. Sie weiß über den aktuellsten Klatsch und Tratsch in der Nachbarschaft Bescheid, besucht mindestens einmal im Monat eine Tupperparty in der Gegend. Abends kommt sie zeitgleich mit seinem Vater nach Hause – sie muss ja noch ins Yoga.

Ist die Berufslaufbahn erblich?

Thomas ist eher der ruhigere Typ. Im Gegensatz zu seiner großen Schwester hatte er auch nie Probleme mit seinen Eltern – sie dagegen war schon immer ein richtiger Rebell. Nach dem Abitur ist sie für ein Jahr, gegen den Willen der Eltern, nach Australien, danach ist sie nach Berlin gezogen zum Studieren. Es heißt zwar, sie studiere Sozialpädagogik, schaut er sich jedoch ihr Facebook- und Instagram-Profil an, sieht es für ihn eher nach einer nie endenden Party aus. Zurzeit bereitet sich Thomas auf seine Realschulabschlussprüfungen vor. „Nie wieder Schule!“, freuen sich seine Mitschüler schon, doch Thomas ist sich unsicher:

Entscheidet er sich für eine Ausbildung, verdient er noch vor seiner Volljährigkeit sein eigenes Geld, kann sich was zusammensparen und sich davon sein erstes Auto kaufen. Später, wenn er in drei Jahren ausgelernt hat, kann er vielleicht ausziehen und endlich unabhängig sein. Dann holt er sich auch seinen lang erträumten BMW, von dem sein Vater nichts hält.

Fällt seine Entscheidung auf ein Studium, muss er noch weitere drei Jahre auf das Gymnasium um sein Abi zu machen, danach folgen mindestens drei weitere Jahre Studium. Aber lohnt sich das? Zahlt sich das aus? Oder doch lieber duales Ausbildungssystem? Thomas weiß nicht so recht.

Großteil der Jugendlichen optimistisch

Berufliche Aussichten der Jugend Kaufmännische Berufe: Der etwas andere Leitfaden

Statistik: Berufliche Aussichten der Jugend: Einschätzungen der eigenen Zukunft – 2016 Bildquelle: eigene Darstellung

 

Betrachtet man die Statistik des Bundesverbands deutscher Banken, sehen ein Großteil der Jugendlichen optimistisch in ihre Zukunft – ganze 62% der Abiturienten schätzen ihre Zukunftsaussichten als „gut“ ein, 31% sogar als „sehr gut“.

Thomas ist sich da unsicher. Wenn er mit seinem Vater über seine Zukunft spricht, wertet dieser die mittlere Reife ab. Er sagt jedes Mal, dass man damit nicht weit komme. Laut dem Vater soll Thomas unbedingt Abitur machen. „Mit dem Abitur stehen dir alle Türen offen, alles zu machen was du möchtest in der Zukunft. Schließlich bist du noch jung!“, sagt der Vater überzeugt, während er genüsslich an seiner Pfeife zieht.

Keine unbekannten Vorbilder

Thomas findet die Vorträge seines Vaters über die großen Kaufleute wie die Gebrüder Albrecht oder Gustav Schickedanz langatmig und langweilig – doch wer waren diese Leute und warum sind sie so wichtig? Eine Übersicht der berühmtesten deutschen Kaufleute klärt auf:

Die Gebrüder Albrecht – die Erfinder des Discounters

Bekannter als die Privatnamen der beiden Brüder ist die von ihnen begründete Ladenkette ALDI. Der Name ALDI steht für ALbrecht-Discount. Karl (1920 – 2014) und Theo (1922 – 2010) Albrecht übernahmen 1946, nach dem 2. Weltkrieg, den kleinen Laden ihrer Mutter in Essen. Im Ladengeschäft verzichteten die beiden bewusst auf unnötige Dekoration und Präsentation der Ware, sowie weitere Verkäufer. So wurde die Ware einfach mit der Palette in den Verkaufsraum gestellt und der Karton aufgeschnitten, sodass der Kunde die Ware direkt entnehmen konnte. Das Selbstbedienungssystem war für die Zeit auch neu. Durch ihr ausgeklügeltes Verkaufssystem konnten sie schnell weitere Filialen eröffnen, durch die konsequente Kostenersparnis entsprechend sehr günstige Preise anbieten. Anfang der 60er-Jahre benannten die Geschwister ihren „Albrecht Discount“ in ALDI um und teilten die Filialen untereinander auf – Karl Albrecht übernahm ALDI Süd, Theo Albrecht ALDI Nord.

Im März 2014 wurde Karl Albrecht vom US-Wirtschaftsmagazin Forbes, mit einem geschätzten Vermögen von 18,2 Milliarden Euro, als reichster Mensch Deutschlands betitelt.

Eine weitere Besonderheit der Albrecht-Geschwister war, dass sie, im Gegensatz zu anderen erfolgreichen Unternehmern, sehr zurückgezogen gelebt haben – das letzte öffentliche Bild der beiden wurde in den 70er-Jahren gemacht. Auch sonst ist über das Privatleben der beiden Unternehmer sehr wenig bekannt. Theo Albrecht verstarb 2010 mit 88 Jahren, sein Bruder Karl Albrecht 2014 im Alter von 94 Jahren.

Gustav Schickedanz – Der Mann hinter dem Quelle-Katalog

Der 1895 in Fürth geborene Unternehmer, ließ im Dezember 1922 seinen „Großhandel und Kurzwaren“ ins Handelsregister eintragen. Dort versuchte er das Geschäftsmodell des Direktvertriebs umzusetzen. Sein Ziel war es, Sammelbestellungen von Kunden zu bekommen und die Ware per Post direkt zum Kunden bringen zu lassen. Später, im Jahre 1927 gründete er schließlich das „Versandhaus Quelle“ mit Sitz in Fürth. Dieses Versandhaus verkaufte seine Ware ausschließlich über den Direktversand und wurde in den Jahren 1933 bis 1938 zum erfolgreichsten deutschen Versandunternehmen.

Nach dem zweiten Weltkrieg erhielt Schickedanz als NSDAP-Mitglied ein Berufsverbot, wurde jedoch als Mitläufer eingestuft und konnte somit 1949 das erste Quelle-Kaufhaus eröffnen. Den Umsatz des Kaufhauses konnte sich in den nächsten Jahren stetig steigern.

Der erste Quelle-Katalog, wie ihn die meisten von uns kennen, erschien im Sommer 1954 und hatte auf Anhieb einen Kundenstamm von über 2 Millionen. Gustav Schickedanz gründete an seinem 70. Geburtstag 1965 die Gustav-Schickedanz-Stiftung, die bedürftige Studenten unterstützt. Im März 1977 verstarb Schickedanz im Alter von 77 Jahren.

Adolf Jandorf – Gründer des bekanntesten Kaufhauses Deutschlands

Nach dem Besuch des Gymnasiums trat Jandorf in Bad Mergentheim die kaufmännische Lehre im Manufakturwaren- und Bankgeschäft an. 1890 ging er studienhalber in die USA. Als persönlich haftender Gesellschafter der Firma A. Jandorf & Co. legte er 1892 am Spittelmarkt, Berlin mit dem sogenannten „Hamburger Engros-Lager“, einem Spezialgeschäft in Kurz-, Weiß- und Wollwaren und Tapisserie-Artikeln, den Grundstock für den späteren Warenhauskonzern. Damit und mit diversen Warenhausbauten wurde Adolf Jandorf bereits in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts im Berliner Raum zu einem der Wegbereiter des modernen Warenhauses nach amerikanischem Vorbild. Nach der Errichtung der beiden Häuser am Spittelmarkt und am Belle-Alliance-Platz beschäftigte die Firma 600-700 Angestellte. Das Warenangebot sprach weite Bevölkerungskreise an, vornehmlich die Mittelschicht und die Arbeiter. Im Sommer 1906 wurde das 4-stöckige Warenhaus am Cottbusser Damm im Berliner Arbeiterviertel Kreuzberg fertiggestellt, ein für die damalige Zeit fortschrittlicher Eisenbetonbau. An kaufkräftigere Kreise wandte sich Jandorf mit der Errichtung des damals größten Warenhauses Deutschlands, des „Kaufhaus des Westens“ (KaDeWe), das in Zusammenarbeit mit der Firma M. J. Emden Söhne nach dem Entwurf des Architekten Johann Emil Schaudt zwischen Februar 1906 und März 1907 errichtet wurde. Das KaDeWe entstand westlich der Stadt am U-Bahnhof Wittenbergplatz, der Wohngegend wohlhabender Bevölkerungskreise, und prägte binnen weniger Jahre das städtebauliche Bild der Tauentzienstraße zu einem Verkehrs- und Einkaufszentrum um: Einem der vornehmsten Geschäftsviertel Berlins mit aufblühenden Spezialgeschäften in seiner Umgebung. Jandorf blieb bis 1926 Leiter des KaDeWe und der anderen Geschäftshäuser, bis diese Unternehmen mit über 3.000 Angestellten in den Konzern der Hermann Tietz AG eingegliedert wurden. Sein Vermögen belief sich 1912 auf 7,8 Millionen Reichsmark, bei einem Jahreseinkommen von 600.000 RM. Er gehörte mehr als 2 Jahrzehnte dem 1903 gegründeten „Verband deutscher Waren- und Kaufhäuser e. V.“ als Ausschussmitglied an.

Für Thomas klingt alles ein wenig befremdlich – wie soll man denn in den 2000er-Jahren, in denen schon alles erfunden und entdeckt ist, neue Wege erschließen können? Wie soll denn eine kaufmännische Ausbildung oder ein BWL-Studium einen dabei unterstützen?

Das BWL-Studium

Während Thomas Vater davon überzeugt ist, dass Abitur und BWL-Studium der einzige Weg für seinen Sohn ist, was zu erreichen, ist die Mutter von einer Ausbildung überzeugt.

Tatsächlich ist die Betriebswirtschaftslehre seit Jahren der beliebteste Studiengang bei den Abiturienten. 2011 waren mehr als 200.000 Studenten für ein Bachelor-BWL-Studium eingeschrieben, 2013 haben ganze 65.000 Bachelorstudenten einen Abschluss in BWL gemacht. Die Betriebswirtschaftslehre befasst sich als Teilbereich der Wirtschaftswissenschaften vor allem mit der Planung, Verwirklichung und stetigen Weiterentwicklung von strukturellen sowie monetären Gegebenheiten in den Unternehmen. Als Wirtschaftswissenschaftler ist man in weltweit agierenden Großkonzernen genauso einsetzbar wie im Mittelstand oder in kleinen Familienbetrieben, in der Automobil- sowie der Energiebranche oder beispielsweise in PR-Agenturen. Ein paar beispielhafte Arbeitsfelder sind:

  • Controlling: wirtschaftliche Planung, Steuerung und Analyse der Unternehmensbereiche
  • Vertrieb: Prozessoptimierung an der Schnittstelle zwischen Produkt, Dienstleistung und Kunde, Verbraucher
  • Marketing: strategische Ausrichtung von Unternehmen an den Bedürfnissen des Marktes
  • Rechnungswesen: systematische Erfassung von quantifizierbaren Prozessen im betrieblichen Ablauf

„Das Wichtigste an einem Job ist das Gehalt!“, betont der Vater von Thomas immer wieder – aber was verdient man denn als studierter BWLer wenn man ins Berufsleben einsteigt? Durch breite Fächerung des Studiengangs kann man danach in verschiedenen Branchen Jobs annehmen – diese unterscheiden sich jedoch stark im Gehalt. Alle Angaben sind in Brutto:

  • Gaststättengewerbe: 25.000 Euro
  • Touristik/Freizeitindustrie: 31.000 Euro
  • Werbung/PR: 32.000 Euro
  • Bank: 43.000 Euro
  • Versicherung: 45.000 Euro
  • Beratung: 45.000 Euro

Die Gehälter variieren von Unternehmen zu Unternehmen, grundsätzlich gilt jedoch: Bei Unternehmen mit Tausend Mitarbeitern und mehr verdient man im Schnitt etwa 7.500 Euro im Jahr mehr, als in Unternehmen mit Hundert Mitarbeitern und weniger. Laut dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) sind BWL-Absolventen deutlich seltener von Arbeitslosigkeit betroffen als Absolventen anderer Fachrichtungen. 80% aller Studierenden haben ein Jahr nach dem Abschluss eine feste Stelle.

Vor- und Nachteile des BWL-Studiums

Vorteile Nachteile
  • Internationale Ausrichtung des Studiengangs
  • Sehr breit gefächerter Fachbereich
  • Ausgezeichnete Karriereperspektiven
  • Abwechslungsreiche Tätigkeiten
  • Hohes Einstiegsgehalt im Vergleich zu anderen Studiengängen
  • Sehr hoher Andrang an den Hochschulen
  • Lerninhalte teils sehr theoretisch und trocken – wenig Dynamik
  • Arbeitgeber sehr anspruchsvoll: praktische Erfahrungen, Soft Skills, Business-Knigge
  • Sehr hohe Konkurrenz bei den Bewerbern

Durch die sehr hohe Absolventenanzahl ist es zwingend notwendig, während des Studiums weitere Praxiserfahrungen und Zusatzqualifikationen zu erlangen. Auch eine oder mehrere Auslandserfahrungen sind für das erfolgreiche Bewerben essentiell. Fremdsprachenkenntnisse und die Bereitschaft zur beruflichen Mobilität, sowie ein sinnvoll belegtes Nebenfach (zum Beispiel Soziologie, Jura oder Psychologie) machen erst den Absolventen für Arbeitgeber interessant.

Die kaufmännische Ausbildung

Reges Leben im Büro Kaufmännische Berufe: Der etwas andere Leitfaden

Bild: Arbeiten im Büro – für viele sieht so der Traumjob aus. Bildquelle: Monkey Business Images – 284519087 / Shutterstock.com

 

Viele studienberechtigte Schulabgänger ziehen eine betriebliche, kaufmännische Ausbildung dem Studium vor – das hat seine guten Gründe: Die Ausbildung in einem Betrieb bietet von Anfang an eine gewisse Sicherheit und Eigenständigkeit. Schon während der Ausbildung verdient man Geld und nach abgeschlossener Ausbildung hat man sehr gute Chancen, vom ausbildenden Betrieb übernommen zu werden. Unternehmen investieren in der Regel viel Zeit und Geld in ihre Azubis und vergeben daher meist nur so viele Ausbildungsplätze, wie sie nach der Ausbildungszeit auch tatsächlich fest einstellen wollen. Strebt man eigentlich ein Studium an, erfüllt aber die nötigen Zulassungsvoraussetzungen nicht, oder möchte zunächst einmal „Praxisluft“ schnuppern, ist man mit einer kaufmännischen Ausbildung sehr gut beraten. Eine solche qualifiziert auch nicht-Abiturienten für ein FH-Studium. Allgemein sind sich Leute, die bereits eine Ausbildung absolviert haben und ein Studium aufsatteln, meist über ihre beruflichen Ziele im Klaren und schließen ihr Studium meistens schnell und erfolgreich ab. Für die persönliche Entwicklung von Jugendlichen ist eine Ausbildung ebenso von Vorteil, da diese früh anfangen selber Geld zu verdienen, auf eigenen Beinen stehen und mit dieser Situation umgehen lernen. Fehler bei der eigenen Finanzpolitik passieren jedem – umso früher jedoch, desto harmloser sind sie. Darüber hinaus besteht später noch die Möglichkeit für ein duales Studium, was in vielen Branchen wie der Logistik oder auch dem Gesundheitswesen durchführbar ist.

Nicht alles was glänzt ist auch Gold

Nachteil der kaufmännischen Ausbildung gegenüber einem BWL-Studium ist, dass man während der Lehre häufig an einen spezialisierten Betrieb gebunden ist. Schon während der Ausbildung werden Azubis in der Regel speziell im Hinblick auf betriebsinterne Fragestellungen geschult und mit entsprechendem Schwerpunkt ausgebildet. Das führt dazu, dass Unternehmen am liebsten die von ihnen selbst ausgebildeten Arbeitskräfte einstellen und im Umkehrschluss eben dazu, dass man bei anderen Firmen nur schwer Jobs bekommt. An einer Universität erhält man dagegen eine allgemeinere Ausbildung und ist vielseitiger einsetzbar – nachdem man während des Studiums nahezu alle Fachbereiche kennengelernt hat, kann man sich den aussuchen, der einem am besten liegt und am meisten Spaß macht. Eine Option, die man bei einer betrieblichen Ausbildung nicht hat.

Die beliebtesten kaufmännischen Ausbildungen

Infografik zum kaufmaenischen Beruf Kaufmännische Berufe: Der etwas andere Leitfaden

Infografik: Die beliebtesten Ausbildungsberufe 2014 Infografikquelle: Eigene Darstellung

 

Der Kaufmann im Einzelhandel ist zweifelsohne eine der meist angestrebten Ausbildungsberufe, darüber hinaus gibt es aber eine Menge weiterer Berufe in die kaufmännische Richtung. Wir haben die beliebtesten Berufe mal genauer beleuchtet:

Kaufmann, bzw. Kauffrau im Einzelhandel

Einzelhandelskaufleute sind die “Allrounder” unter den ausgebildeten Kaufleuten. Ihre Spezialisierung bezieht sich auf:

  • Verkauf von Konsumgütern wie zum Beispiel
    • Lebensmittel
    • Möbel
    • Kleidung
  • Beratung und Verkauf
  • Mitwirken mit bei der Auswahl und Präsentation des Sortiments
  • Lagerarbeiten
  • Verwaltungsaufgaben im Büro

An der Zahl der Ausbildungsverträge kann man ersehen, dass Einzelhandelskaufleute nach wie vor in großer Anzahl benötigt werden. Die oben platzierte Statistik des statistischen Bundesamtes zeigt, dass im Jahr 2010 in Deutschland so viele Ausbildungsverträge für Einzelhandelskaufleute abgeschlossen wurden wie für keinen anderen Ausbildungsberuf – nämlich über 30.000. Dennoch haben sich die Arbeitsbedingungen für diesen Berufszweig in den letzten Jahren zunehmend zum schlechten gewandelt. Es gibt immer mehr Niedriglohnbeschäftigte und Zeitarbeiter und die Übernahmequote nach Abschluss der Ausbildung ist außergewöhnlich niedrig. Eine Abwandlung ist in diesem Bereich der Kaufmann bzw. die Kauffrau im Groß- und Außenhandel. Hier ist der Kontakt mit Endkunden nicht so Fokus, dass der Groß- und Außenhandel eher auf das B2B-Geschäft setzt.

Bürokaufmann bzw. Bürokauffrau

Thomas Mutter arbeitet seit Jahren als Bürokauffrau und wünscht sich den gleichen Beruf für ihren Sohn. Das Einsatzgebiet von Bürokaufleuten ist oft in sehr unterschiedlichen Bereichen und Abteilungen, wodurch auch das ausgeübte Tätigkeitsfeld variiert – meistens jedoch arbeiten Bürokaufmänner und -frauen viel am Computer. Der sichere und versierte Umgang mit Soft- und Hardware ist daher wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Insbesondere der Umgang mit den Microsoft Office Programmen muss sicher beherrscht werden, aber auch darüberhinausgehende Kenntnisse werden gelehrt. Im direkten Vergleich zu Fachinformatikern bedienen Bürokaufleute die entsprechenden Computerprogramme jedoch nur und sind in der Regel nicht an deren Konzeption und Programmierung beteiligt. Des Weiteren haben Bürokaufleute folgende Aufgabengebiete:

  • Aufgaben im Rechnungswesen
  • Aktive Mitarbeit im Marketing
  • Einsicht und Vergabe von Aufträgen und Bestellungen
  • Planungen für Events der Firma

Bankkaufmann bzw. Bankkauffrau

Bankkaufleute haben im Vergleich zu anderen kaufmännischen Berufen besonders oft viel direkten Kundenkontakt. Ihr Hauptaufgabengebiet ist die Beratung bestehender Kunden und Neukunden zu folgenden Themen:

Bankkaufleute zeichnet ein seriöses Auftreten, gute Kenntnisse in mindestens einer Fremdsprache und solide mathematische Kenntnisse aus. Die Grundvoraussetzung, um eine Chance auf einen Ausbildungsplatz zu haben ist selbstverständlich ein gepflegtes Äußeres und eine gepflegte Wortwahl, sowie die entsprechenden Noten und Kenntnisse im Bereich Mathematik und Finanzen. Natürlich können Bankkaufleute auch in internen Abteilungen wie beispielsweise im Controlling tätig sein. 2010 wurden in Deutschland ca. 13.000 Ausbildungsplätze besetzt, wobei die Zahl der Bewerbungen deutlich höher lag. Nicht zuletzt wegen des vergleichsweise recht hohen Gehaltes und der abwechslungsreichen Tätigkeit direkt am Kunden sind die Ausbildungsplätze für Bankkaufleute sehr beliebt. Viele Heranwachsende schätzen die Tatsache, im Anzug gekleidet zur Arbeit gehen zu müssen, Erwachsene der älteren Generation – wie in unserem Fall hier Thomas Eltern – schätzen das hohe Gehalt und den sozialen Status eines Bankkaufmannes bzw. einer Bankkauffrau.

Sonstige kaufmännische Berufe

Außer den hier vorgestellten Berufen gibt es eine Menge weiterer kaufmännischer Berufe, die ein breites Spektrum an Interessen bei den angehenden Auszubildenden abdecken. Hier einige Beispiele:

  • Industriekaufmann: Industriekaufleute befassen sich in Unternehmen aller Branchen mit kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Aufgabenbereichen wie Materialwirtschaft, Vertrieb und Marketing, Personal- sowie Finanz- und Rechnungswesen.
  • Tourismuskaufmann: Tourismuskaufleute planen, vermitteln und verkaufen individuelle, Gruppen- sowie Veranstalterreisen und organisieren Geschäftsreisen. Sie beraten Kunden über Reisemöglichkeiten und Reiseziele, kalkulieren Preise, entwickeln Marketingmaßnahmen und führen sie durch.
  • Automobilkaufmann: Automobilkaufleute übernehmen organisatorische und kaufmännische Aufgaben im Kraftfahrzeughandel, bearbeiten Aufträge, bereiten Unterlagen für den Verkauf vor und erstellen Abschlüsse sowie Rechnungen. Außerdem wirken sie bei Marketingmaßnahmen mit, beschaffen und verkaufen KFZ-Teile und -Zubehör, außerdem beraten sie Kunden.
  • Veranstaltungskaufmann: Veranstaltungskaufleute konzipieren und organisieren Veranstaltungen und sorgen für deren reibungslosen Ablauf. Sie kalkulieren die Kosten und übernehmen alle kaufmännischen Aufgaben rund um die Planung, Durchführung und Nachbereitung von Veranstaltungen.
  • Immobilienkaufmann: Immobilienkaufleute arbeiten in allen Bereichen der Immobilienwirtschaft und beantworten Kunden in sämtlichen Fragen rund um Haus, Wohnung oder Grundstück. Sie erwerben und verwalten Immobilien und Grundstücke – vermitteln, vermieten und verpachten oder verkaufen sie. Außerdem begleiten sie Bauvorhaben und erstellen Finanzierungskonzepte.
  • Kaufmann für Versicherungen und Finanzen: Kaufleute der Fachrichtung Versicherung beraten und betreuen private und gewerbliche Kunden in Versicherungsfragen, erstellen Versicherungsangebote und arbeiten Verträge aus. Zudem bearbeiten sie Schaden- und Leistungsfälle und übernehmen Tätigkeiten im Rechnungswesen und Controlling.
  • Speditionskaufmann: Kaufleute für Spedition und Logistik-Dienstleistung organisieren den Versand, den Umschlag sowie die Lagerung von Gütern und verkaufen Verkehrs- sowie logistische Dienstleistungen.
  • Informatikkaufmann: Informatikkaufleute beschaffen Informations- und Telekommunikationssysteme und verwalten sie. Außerdem ermitteln sie Benutzeranforderungen, planen und erstellen Anwendungslösungen und sorgen für die Beratung und Schulung der Anwender. Zudem stellen sie die Wirtschaftlichkeit und kunden- sowie nutzerorientierte Organisation von Projekten sicher.
  • Reiseverkehrskaufmann: Kaufleute für Tourismus und Freizeit beraten und informieren Kunden über touristische Leistungen und Angebote. Sie organisieren Veranstaltungen und setzen Verkaufs- und Marketingkonzepte zur Förderung des regionalen Tourismus um.
  • Drogist: Drogisten und Drogistinnen verkaufen neben Produkten für Gesundheit, Kosmetik, Körperpflege und Ernährung auch Pflanzenschutz-, Wasch- und Putzmittel oder Fotografie-Produkte. Sie beraten Kunden fachgerecht, wirken mit bei Warenpräsentation und Sortimentsgestaltung und führen allgemeine kaufmännische Aufgaben aus.
  • Personaldienstleistungskaufmann: Personaldienstleistungskaufleute beschaffen Personal und koordinieren den Personaleinsatz. Außerdem akquirieren sie Aufträge und betreuen Kunden.
  • Kaufmann für Audiovisuelle Medien: Kaufleute für audiovisuelle Medien betreuen die Herstellung von audiovisuellen Produkten kaufmännisch und organisatorisch. Sie arbeiten an der Schnittstelle von Produktionsorganisation, -kalkulation und -abrechnung sowie Marketing-Strategie, Öffentlichkeitsarbeit, Verleih und Vertrieb.
  • Medienkaufmann Digital und Print: Einer der zurzeit sehr beliebten „Irgendwas mit Medien“-Berufen – Medienkaufleute sind in Marketing und Vertrieb von Medien und Dienstleistungen tätig. Außerdem planen, steuern und kontrollieren sie die Herstellung von Medienprodukten aller Art.
  • Hotelkaufmann: Hotelkaufleute koordinieren das Zusammenspiel von Übernachtungsbetrieb, Restaurant, Küche, Lager und Verwaltung. Sie können in all diesen Bereichen jederzeit mitarbeiten, übernehmen jedoch hauptsächlich kaufmännische Aufgaben in Organisation, Rechnungswesen, Einkauf und Personalwesen.
  • Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter: Sogenannte PKA bestellen Arzneimittel, kontrollieren diese, zeichnen sie aus und sortieren sie in die Regale ein. Zudem erledigen sie Büro- und Verwaltungsaufgaben und wirken in der kaufmännischen Steuerung sowie bei Marketingmaßnahmen mit. Sie beraten Kunden über apothekenübliche Produkte und verkaufen diese. Somit gibt es auch im Gesundheitswesen Kaufleute.
  • Servicekaufmann im Luftverkehr: Servicekaufleute im Luftverkehr beraten und betreuen Fluggäste am Flughafen. Sie erteilen Auskünfte, buchen Flüge und checken Passagiere ein. Darüber hinaus wirken sie bei der Flugzeugabfertigung mit und erledigen sonstige kaufmännische Arbeiten.
  • Steuerfachangestellter: Steuerfachangestellte betreuen und beraten zusammen mit Steuerberatern sowie Wirtschaftsprüfern und Mandanten in steuerrechtlichen und betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten. Zudem übernehmen sie organisatorische und kaufmännische Aufgaben jeglicher Art.

Eine Frage des Geldes

„Beruf“ kommt von „Berufung“ – bis auf den reinen Spaß bei der Arbeit muss eine Arbeitsstelle auch das entsprechende Geld bringen. Weitgehend bekannt ist, dass Bankleute das höchste Gehalt haben – hier das monatliche Durchschnittsgehalt der verschiedenen kaufmännischen Berufszweige in Deutschland im Vergleich:

Zu erwähnen ist jedoch, dass die Durchschnittsgehälter sich je nach Bundesland stark variieren können. Mit steigender Arbeitserfahrung können sogar die Höchstsätze erreicht werden.

Infografik Gehaelter Kaufmännische Berufe: Der etwas andere Leitfaden

Infografik: Hier zeigen wir euch, was Kaufleute tatsächlich verdienen. Infografiquelle: Eigene Darstellung.

Neue Technologien – neue Berufe

 

Arbeiten im Büro Kaufmännische Berufe: Der etwas andere Leitfaden

Bild: Liegt im Online-Shopping die Zukunft des kaufmännischen Daseins? Bildquelle: Stokkete – 252720634 / Shutterstock.com

 

Durch den Einfluss der „neuen“ Technologien wie Computer und das Internet haben sich die Tätigkeiten in den einzelnen Berufen ziemlich stark geändert. Während Kaufleute bis in die frühen 80er-Jahre für ihren „Papierkrieg“ bekannt waren, arbeiten sie heute hauptsächlich am Computer. Darüber hinaus hat das Internet nicht nur das Tätigkeitsfeld der einzelnen Berufe geändert, sondern auch ganz neue geschaffen: Webmaster, Online-Verkäufer, Shop-Betreiber oder sogar eBay-Händler sind nur ein paar davon.

E-Commerce als neuer Marketing-Zweig

Wie der Name schon erraten lässt, bedeutet E-Commerce ins Deutsche übersetzt so viel wie elektronischer Handel. Unter E-Commerce versteht man also den Handel im Internet: Werben, vermitteln, kaufen oder verkaufen ohne aus dem Haus gehen zu müssen, ganz bequem vom eigenen Computer aus. Außer dem Verkaufsprozess selbst, fallen unter dem weiten Begriff des E-Commerce auch etwaige Leistungen wie beispielsweise im Bereich Kundenservice und Online-Banking.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Kunden können vom heimischen Rechner oder Smartphone direkt durch Online-Kataloge des Anbieters blättern, Produkte miteinander vergleichen, bestellen und auch gleich bezahlen – was für eine schnelle, unkomplizierte und bequeme Kauferfahrung sorgt. Vorteil gegenüber dem konventionellen Kauf in einem Geschäft ist die Vergleichsmöglichkeit zwischen den Produkten verschiedener Anbieter mit den dazugehörigen Erfahrungsberichten und Rezensionen anderer User. Auch können durch das Internet Details und Informationen zu Produkten abgefragt werden, an die man in einem Geschäft nicht gelangen kann.

Neue erfolgreiche Geschäftsmodelle

Das Thema E-Commerce hat mit der Zeit sehr an Komplexität gewonnen und hat sich zu einem der Kerngeschäftsmodelle im Internet entwickelt. Beim Businessmodell des E-Commerce kommt es sehr stark auf eine gute Performance der Marketing-Maßnahmen (Marketingkommunikation), wie Affiliate-Marketing, Suchmaschinenmarketing (SEM) und Suchmaschinenoptimierung (SEO) an – denn nur so kann die Anbieter-Seite auch vom Kunden gefunden werden. War das E-Commerce-Geschäft früher noch wenig entwickelt, ist spätestens seit dem Aufkommen des Buchhandel-Riesen Amazon eine zunehmende Professionalisierung zu erkennen, die sich auch in dem immer größer werdenden Angebot an vorgefertigten Shop-Systemen bemerkbar macht.

Ein Beispiel hierbei ist Ralph Schomaeker-Möller, Webmaster der Seite mein-deal.com – seit 2009 bietet er auf dem Portal Schnäppchen aus aller Welt an. Das Konzept macht sich bezahlt: Die mein-deal.com-Webseite listet 80.000-95.000 Besucher am Tag (Stand: 2016), die Smartphone-App ist mit über 500.000 Downloads die bisher erfolgreichste Schnäppchen-App auf dem Markt!

Für jeden das Richtige

Kaufleute gibt es seit Menschengedenken – das Besondere bei den Berufen ist jedoch, dass sie sich nahezu mit allen Interessen kombinieren lassen: Ob klassisch im Büro, Autohaus oder Flugzeug – oder doch lieber in einem IT-Unternehmen in der Marketingkommunikation – kaufmännische Berufe bieten für jedes Interesse das Richtige. Der kaufmännische Geist hat bis in die heutige Zeit erfolgreich überlebt: Während Unternehmer wie die Gebrüder Albrecht oder Gustav Schickedanz in der Nachkriegszeit mit revolutionären Ideen aufkamen, bieten moderne Technologien wie das Internet mit E-Commerce eine Grundlage für weitere, neue Geistesblitze und Geschäftsmodelle – wie mein-deal.com. Man darf gespannt sein was die Zukunft ab 2016 noch alles bringen wird!

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